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10. März 2026 - Wissen & Aktuelles

Wald im Klimastress

... und wir verkürzen seine Lebenszeit: Eine neue Studie der Technischen Uni München kommt zu einem klaren Ergebnis: Waldstörungen in Europa durch Brände, Stürme und Borkenkäfer werden in den kommenden Jahrzehnten deutlich zunehmen. Selbst im optimistischsten Klimaszenario werden die Schäden gegenüber heute deutlich steigen.
Gleichzeitig beobachten wir in vielen privaten und staatlichen Forstbetrieben eine irritierende Entwicklung: Die Umtriebszeiten werden verkürzt, d. h.  Bäume werden früher geerntet, oft im unteren Drittel ihres biologischen Alters aus der Sorge heraus, dass sie unter dem Klimastress sonst nicht „rentieren”.
Das ist der verständliche Versuch, ökonomische Risiken zu reduzieren. In der Gesamtschau bedeutet es jedoch: Wir tauschen ökologisches Risiko gegen ökonomisches Risiko. 

Denn junge Wälder speichern weniger Kohlenstoff, bieten weniger Lebensraum und stabilisieren Wasserhaushalt und Mikroklima deutlich schwächer als alte Wälder.

Wenn die aktuellen wissenschaftlichen Studien uns jetzt signalisieren, dass die Störungen zunehmen werden, stellt sich die Frage: Brauchen wir jetzt wirklich jüngere Wälder oder resilientere? Alte Wälder sind ganz klar Risikopuffer. Komplexe Systeme mit diversen Altersklassen, hohen Vorräten, großen Totholzmengen und hoher biologischer und struktureller Vielfalt reagieren eindeutig robuster auf Störungen. 
Eine Forstwirtschaft, die heute nur auf kurzfristige ökonomischen Risikoabsicherung setzt, reduziert genau diese systemische Resilienz. Ökosystembasierte Waldwirtschaft sieht Wälder als komplexe lebende Systeme, deren Vielfalt, Dynamik und Selbstregulationsfähigkeit die Grundlage ihrer Nutzung bilden.

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