Ökosysteme
Offenland

Deutschland ist Waldland

Aufgrund seiner Böden und seines Klimas wären etwa 90% der Fläche Deutschlands von Wald bedeckt. Heute sind es jedoch nur noch 31% Waldanteil. Dies ist das Ergebnis eines 3.000-jährigen Prozesses, in dem der Mensch die Landschaft entsprechend seiner Bedürfnisse gestaltete. Die heutige Wald-Feld-Verteilung war etwa im 13. Jahrhundert abgeschlossen. Um 1700 waren die meisten heute waldreichen Mittelgebirge durch Übernutzung des Waldes und einer aus der Not erzwungenen Landwirtschaft auf Grenzertragsböden kahl geschlagen.

 

Während viele Mittelgebirge ab 1800 wieder aufgeforstet und zu Wald wurden, dauerte die Offenlandnutzung in einigen Bereichen Deutschlands an. Die Hochflächen der Rhön, die Lüneburger Heide, Teile des Schwarzwaldes, der Schwäbischen Alb, des Erzgebirges und der Eifel blieben aufgrund historischer Nutzung des Menschen waldfrei. Wegen des Freilandcharakters dieser extensiv genutzten Flächen siedelten sich im Laufe der Zeit zahlreiche seltene Leitarten aus Fauna und Flora an. 

 

Rückgang der Vielfalt

Dieses artenreiche, extensiv genutzte Grünland mit Hecken, Rainen und Kleingewässern, das fast ein Drittel der heimischen Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands beherbergt, geht bundesweit stark zurück. Derzeit liegt der Flächenanteil noch bei 11,8% (Indikatorenbericht 2017 Daten zur Umwelt). Ursache dafür ist die Intensivierung der Landwirtschaft mit Umbruch von Grünlandflächen und Energiepflanzenanbau. Um diese verhängnisvolle Entwicklung umzukehren, sieht die Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt der Bundesregierung vor, mithilfe einer Neustrukturierung von Fördergeldern und weiteren ökologischen Maßnahmen den Anteil des artenreichen HNV-Grünlands (High Nature Value Farmland) bis zum Jahr 2020 auf mindestens 19% zu erhöhen. 

Dies ist dringend nötig, denn für den Erhalt der Biodiversität unserer Kulturlandschaft haben diese Lebensraummosaike eine Schlüsselfunktion: Neben der Vielzahl der Tier- und Pflanzenarten sind vor allem viele Brutvogelarten auf diese Strukturen angewiesen. 

Um den offenen Charakter dieser Landschaften zu erhalten, hat die Pflege dieser Flächen eine hohe Bedeutung. Typische Maßnahmen wie Schwenden (Freisägen), Mulchen oder die Beweidung unterdrücken die Wiederbewaldung und erhalten die wertvolle Struktur der Flächen.

 

Das Bergwaldprojekt in der Landschaftspflege – Statusschutz oder Prozessschutz?

In der Landschaftspflege werden zwei in der Wahl der Naturschutzmaßnahmen zum Teil im Widerspruch stehende Methoden angewendet: Beim Statusschutz steht der Erhalt der heute vorkommenden Arten und ihres Lebensraums im Vordergrund, der Prozessschutz bemüht sich hingegen um die Förderung der natürlichen Dynamik. 

Das Bergwaldprojekt sieht in beiden Methoden in Abhängigkeit von Fläche, Artenvorkommen und Seltenheit sinnvolle Vorgehensweisen zum Schutz der Biodiversität und setzt diese mit entsprechenden Maßnahmen um.