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3. März 2026 - Wissen & Aktuelles

Energiewende im Rückwärtsgang

Deutschland hat sich gesetzlich verpflichtet, bis 2045 klimaneutral zu werden. Dieses Ziel ist kein Symbol, sondern ein bindender Rahmen für politisches Handeln. Umso irritierender sind die aktuellen Entwürfe zur Novellierung des EEG und zum Gebäudemodernisierungsgesetz.
Statt Tempo und Verlässlichkeit beim Ausbau erneuerbarer Energien zu sichern, werden bewährte Instrumente geschwächt. Statt Planungssicherheit für Bürgerinnen und Bürger, Kommunen und Unternehmen zu schaffen, entstehen neue Unsicherheiten. Statt dezentrale Strukturen zu stärken, droht eine strategische Verschiebung hin zu fossilen Abhängigkeiten. Das ist nicht nur klimapolitisch problematisch. Es ist auch sicherheitspolitisch riskant.
Dezentrale erneuerbare Energieproduktion bedeutet Resilienz, regionale Wertschöpfung und Unabhängigkeit von geopolitischen Krisen. Fossile Energie bedeutet Importabhängigkeit, Preisvolatilität und strukturelle Verwundbarkeit. Die jüngsten Turbulenzen an den Energiemärkten zeigen erneut, wie fragil fossile Abhängigkeiten sind. 
Wer in dieser Lage zentrale Bausteine der Energiewende relativiert, muss erklären, wie das mit dem Ziel der Klimaneutralität bis 2045 vereinbar sein soll. Frau Reiche, wie passt dieser Kurswechsel zur eigenen Zielsetzung der Bundesregierung? Wie soll Vertrauen in langfristige Investitionen entstehen, wenn zentrale Rahmenbedingungen wieder in Frage gestellt werden?
Im Bergwaldprojekt e.V. erleben wir täglich, dass Klimafolgen keine politischen Debatten abwarten. Wälder reagieren auf Hitze, Trockenheit und Extremwetter – nicht auf Koalitionsverhandlungen.
Klimaschutz ist keine Ideologie. Er ist ökonomische Vernunft. Er ist sicherheitspolitische Vorsorge. Er ist Voraussetzung für gesellschaftliche Stabilität. Energiewende braucht Konsequenz – keinen strategischen Rückwärtsgang.

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