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Mehr Esche wagen!
Die Esche ist ein Spätzünder. Sie treibt als letzte Baumart erst Mitte Mai aus, um Spätfröste zu vermeiden.
Im Herbst erhöht sie ähnlich wie andere Baumarten die Konzentration gelöster Stoffe wie z. B. Zucker und Aminosäuren in den Zellen, um den Gefrierpunkt des Zellsaftes zu senken, und entgeht den ersten Herbstfrösten ebenfalls durch frühen Laubabwurf. Die Esche kompensiert die kürzere Blattzeit durch eine hohe Photosyntheseleistung im Sommer.
Vor dem Hintergrund der Klimakrise galt die Esche als Hoffnungsträgerin für die Entwicklung von stabilen und klimaresilienten Mischwäldern. Ihr Fortbestand ist jedoch durch das Eschentriebsterben durch den aus Ostasien eingeschleppten Pilz Hymenoscyphus fraxineus in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet massiv bedroht.
Jetzt macht ein Langzeitversuch des Bayerischen Amts für Waldgenetik Hoffnung, dass uns diese wichtige Mischbaumart für Auen, Bäche und Gebirge erhalten bleibt, denn es gibt eine Reihe von Eschenindividuen, die widerstandsfähig sind.
Grund dafür ist ihr enormes genetisches Potenzial und ihre Anpassungsfähigkeit.
Knapp 1.500 dreijährige Eschen aus sechs verschiedenen Beständen aus Bayern und Österreich wurden 2015 in einem mit Eschentriebsterben stark infizierten Auwald am Chiemsee gepflanzt und in den nächsten zehn Jahren auf Mortalität, Kronenschäden, Rindennekrosen und Wuchshöhe untersucht.
Die Ergebnisse zeigen, es gibt Eschenindividuen mit hoher Widerstandskraft. 22 % der Nachkommen zeigten über neun bzw. 10 Jahre nur geringe Symptome. 8 % der Eschen zeigten ein gute Wuchsleistung. Widerstandsfähige Individuen kamen aus nahezu allen Herkünften vor.
Wir müssen widerstandsfähige Altbäume erhalten, Eschennaturverjüngung und die Vernetzung von vorhandenen Eschenbeständen fördern und zur Sicherung des Genpools die Samengewinnung sicherstellen.
Mehr Esche wagen!
Foto: AWG, Versuchsfläche Chiemsee
