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6. Juni 2025 - Draußen

400-jährige Zeitzeugin

Da liegt sie, mehr als 50 Meter lang, wirtschaftlich ungenutzt bleibend, ein Eldorado aller Totholzorganismen. Angesteuert von den Freiwilligen bei der Exkursion durchs Revier. Die größte Weißtanne weit und breit. 2023 anfangs Winter umgestürzt, unter der Last der Nassschneemenge und dazu mit einem recht faulen Stammfuß. Die spontane Jahresringzählung in zehn Meter Höhe ergibt: ca. 360 Jahre, 

sie dürfte also vor gut 400 Jahren gekeimt sein, wurde nicht verbissen zur Zeit des dreissigjährigen Krieges

als sich Europas Adelsstämme zwecks des rechten Christenglaubens bekämpften und dezimierten. Eine Zeit, zu der das Rotwild der Gegend im Winter noch in die Tieflagen stieg und dort wandernd genug Nahrung fand. Dann kam nach und nach wirtschaftlicher Fortschritt, Erschließung der Landschaft, Zerschneidung der Lebensräume, das Rotwild war im Bergwald gefangen. Das Wintergatter wurde der dem Rotwild zugedachte winterliche Aufenthaltsort, „den Äsungsdruck vom Bergwald nehmen". Vor zwei Wochen wurde weiter unten das Wintergatter geöffnet, 80 Stück Rotwild sind wieder frei. Die letzten Tage wurden große Teile des Gatterzaunes von den Freiwilligen abgebaut. Das Rotwild bekommt einen Neubau, gleich neben der Forststraße, optimale Erreichbarkeit.

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