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17. Februar 2026 - Draußen

Endlich wieder draußen

Saisonauftakt 2026 in Deggendorf: Eine für alle – alle für die Becherflechte: In einer unserer ersten Projektwochen 2026 in der Faschingswoche kämpfen sich fast 20 Freiwillige durch Schnee und Regen und Temperaturen um den Gefrierpunkt. Doch das Wetter tut der Laune keinen Abbruch. Die buntgemischte Gruppe setzt sich hier für mehr Artenvielfalt ein, konkret für die Becherflechte. 

Beim näheren Betrachten erkennt man die kleinen Kelche, die ihr ihren Namen geben.


Flechten sind keine Pflanzen, sie sind eine Symbiose aus Pilz und Alge und schaffen es, die extremsten Lebensräume zu besiedeln. Alle Nährstoffe, die sie benötigen, bekommen sie aus der Luft, sodass sie keinen Anschluss an den Boden brauchen. Sicher habt ihr Flechten schon auf Steinen oder an der Baumrinde wachsen sehen. Die Flechte ist also ein Zeichen dafür, dass es dort, wo sie wächst, sehr nährstoffarm ist.

Im Naturschutzgebiet Außernzell in Deggendorf wird ein Reliktstandort gepflegt. Die hier natürlich vorkommenden Sandböden sind von Natur aus sehr nährstoffarm und deswegen ein optimaler Lebensraum für unsere Becherflechte.

Doch seit der Industrialisierung düngen wir Menschen mit der Verbrennung von fossilem Gas oder Erdöl stetig aus der Luft. Trotz Filteranlagen betrifft das noch heute jeden Punkt auf der Erde, auch solche, an denen Menschen noch nie waren. So werden auch nährstoffarme Gegenden gedüngt und Spezialisten sterben aus. In Deggendorf verdrängt die Heidelbeere die Becherflechte. 

Für die Freiwilligen heißt das: Plaggen: Oberboden abtragen, Heidelbeeren raus und die Abfolge von natürlichen Wachstumsprozessen auf Null setzen, damit der Sand wieder offen liegt. 

Rundherum wachsen noch Becherflechten und können von dort aus den Sand wieder besiedeln. 

Besonders Spezialisten, die an besondere Standorte angepasst sind, können genetisch für Anpassungsstrategien der Zukunft wichtig sein. 

Flechti lebe hoch!

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