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Rettet alles

01/07/20 | Jagdhaus Queckspring, Soonwald, RP | 562 Meter ü. M. | 18°, bisschen heiter gewolkig

Letzte Notprogrammwoche. Einstieg am Waldcamp beim Jagdhaus. Es gilt Abschnitt 3.3.2 des neuen Hygienekonzepts: "Ein mit drei Sitzreihen bestuhlter VW-Bus wird mit maximal 5 Personen besetzt, die Anordnung der Personen im Fahrzeug entspricht den fünf Augen auf einem Würfel. Das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen ist Pflicht." Die Masken sitzen. Nebenplätze bleiben frei. Abfahrt zur Einssatzstelle. Gas geben.

Abstand im Einsatzfahrzeug

 

24/06/20 | Kreershäuschen, Soonwald, RP | 562 Meter ü. M. | 29°, schon recht heiß

Notprogrammwoche 3. Bei anschwellendem Amphibiengesang, wildem Gesummse und Mittagshitze lässt sich das sehen! Eichenkulturpflege und Zaunreparatur sind bereits erledigt. Und nun auch noch der letzte Tümpel in einer langen Reihe kaskaden- und perlenkettenförmig angeordneter Feuchtbiotope. Die Uferbereiche sind auch hier nun vollständig entfichtet. Trotz hoher Zecken- und Fluginsektendichte und gefühlten 50° am dampfenden Tümpel. Sechs Pflegekräfte leisten eben saubere Arbeit. Ganz im Sinne des Naturschutzes und des Hygienekonzeptes.

Auch dieser Tümpel ist nun fichtenfrei im Uferbereich

 

17/06/20 | Heigenbrücken, Spessart, BY | 292 Meter ü. M. | 18°, ergiebigste Niederschläge

Notprogrammwoche 2. Einsame Zelte stehen verlassen auf einem viel zu großen und viel zu nassen Zeltplatz. Irgendjemand kocht Kaffee in der Küchenholzbaracke. In den Pfützen schwimmt Motorsägenbenzin. Die Verwender*innen sind einige Kilometer weiter im Einsatz. Ohne Motorsäge geht hier nichts mehr. Alle verfügbaren Sägen schneiden ununterbrochen in Stämme des von der Pflege bisher vergessenen jahrzehntealten Buchenbestands. Hektar um Hektar wird der Bestand gelichtet. Wolkenbruch um Wolkenbruch kriecht der Tag dahin. Es will Abend werden und der Weg geht zurück zu den einsamen Einpersonenzelten im Wasser. So werden Helden getauft.

Mit den Waffen aus Waiblingen

 

11/06/20 | Scheinbergspitzkar, Ammergauer Alpen, BY | 1321 Meter ü. M. | 17°, aufhellend

Notprogrammwoche 1. Nach tagelangem Dauerregen kommt die Sonne durch. Vergessen der Wasser-Zeltplatz vor der Unterkunft, die nicht zu beziehen erlaubt ist, weil die Gruppe in mehr als zwei Haushalten beheimatet ist. Vergessen der langwierige Aufstieg zur Wildwiese über weggeschwemmte Steige und rauschende Gebirgsbäche. Die Motorsägen heulen freudig auf nach monatelangem Schweigen, der Wald ist grüner als gedacht, die Alpenblumenvielfalt bunter als geträumt. Neun Bergwaldprojektler*innen dürfen tun, was sie am liebsten tun: kraftvoll Anpacken und Biotop pflegen durch Entfichten. Für balzendes Birkwild und äsendes Schalenwild. Für den eigenen Körper und den wachen Geist. Minute um Minute wird die Wiese größer, der Blick wandert immer weiter zum Wiesenrand. Alle spüren es, niemand wird verschont, es ist passiert: Der Waldarbeitsvirus hat alle wieder befallen. Endlich.

Fichten weg für Birkhuhnbalz

 

03/06/20 | Haidmühle, Bayerischer Wald in Wurfweite zur Tschechischen Grenze, BY | 835 Meter ü. M. | 16°, gewittrig

Teamtage. Das sechzehnköpfige Kernteam hat sich in den Bayerischen Wald mit seinen sterbenden Fichenwäldern zurückgezogen. Wie geht es weiter? Klar ist: Wie nicht der Wald stirbt, wenn einzelne Bäume sterben, so lebt auch das Bergwaldprojekt weiter, auch wenn einzelne Einsatzwochen entfallen müssen. Das Hygienekonzept wird detailliert besprochen. Gibt es noch Studentenfutter in den Frühstückspausen, wenn nicht mehr alle in die selbe Dose greifen können? Wann fallen alle Restriktionen, um die Virusverbreitung weiterhin einzudämmen? Machen wir bald nur noch Tageseinsätze ohne Übernachtungen und Fußmärsche statt VW-Bus-Fahrten? Bis alle Fragen geklärt sind wird mit einem Notprogramm wochenweise weitergearbeitet - ohne Freiwillige. Das Bergwaldprojekt bleibt und wird nun wieder draußen aktiv. Es wird weiterwachsen. 

Der Wald stirbt nicht, nur einzelne Bäume.

 

29/05/20 | Forstenrieder Park, Münchner Umland, BY | 571 Meter ü. M. | 18°, trocken und wolkig

Hygienekonzepttesttag III. Jungbestandspflege ist Eichensuchen. Und Abstandhalten zu anderen, die man im Zweifelsfalls nicht mal sieht. 14 Menschen in einem halben Hektar Jungbestand. Wer ist wo? Wo sind die Eichen? Das Unsichtbare wird hier in der grünen Baumsuppe vergessen, obwohl es alles bestimmt. Gertelschwingenden und Vogelbeer-abhackenden Mitmenschen geht man hier gerne aus dem Weg. Damit auch dem Virus, dass sich in der Atemwolken des Mitmenschen befinden könnte. Wie lange sich wohl das Virus hier in der Luft halten würde, wenn es zwischen Eichenblättern und Birkenästen im Aerosolnebel wabern würde? Brombeerranken sind hier die einzig manifeste Gefahr.

Viele in Pflege, wenige sichtbar

 

25/05/20 | Heigenbrücken, Spessart, BY | 292 Meter ü. M. | 19°, heiter mit kurzem Schauer

Hygienekonzepttesttag. Welcome home im Wald. Das Hufscharren hat ein Ende. Nach Wochen in der waldarbeitslosen Coronapause wieder der erste Einsatz - noch ohne Freiwillige. Eichenbestandspflege und Zauabbau ist wie üblich Mittel zum Zweck. Der Zweck dieses Einsatzes: Testen der Arbeit im Team, draussen im Forst mit Minimierung des Ansteckungsrisikos mit dem C-Virus. Abstand halten ist die Devise. Keine vollbesetzen Busse beim Anfahren der Arbeitsstelle, keine Rudelbildung bei Sichtung des Großen Eichenbockkäfers, kein Pausentee ohne Desinfektionsmittel. Die Tagesleistung wie immer bestens: 0,6 ha Eichenbestand, 1,2 km eingewachsene Wildschutzzäune. Stimmung: vortrefflich. Das Virus: unsichtbar, aber in den Köpfen. Die Testphase wird fortgesetzt.

Testhaufen im Spessart

 

14/03/20 | Thüngersheim, Unterfranken, BY | 184 Meter ü. M. | 10°, wechselwolkig

Pflegetag. Im Orchideenlehrpfad. Letzter Einsatz vor der Coronapause. Die Waldkiefer macht's nötig. Die Motorsägen pausieren und sind verstummt auf dem Magerstandort. Auch die Waldkiefer stirbt hier trockenheitsbedingt stumm vor sich hin. Keine Pause kennt hingegen die Verkehrssicherungspflicht. Daher die Fällung. Und um dem Magerstandort keine Nährstoffe zuzuführen, wird das Holz den Orchideen zuliebe auch nicht an Ort und Stelle belassen. Ist allen klar. Ist schön, wenn man mit anderen Menschen noch gemeinsam tätig sein kann.

Kieferentnahme

 

12/03/20 | 14.48 Uhr | Südliche Küstenheide, Hiddensee, MV | 2 Meter ü. M. | 7°, weniger wolkig

Projektwoche 04. Gehölzentfernung beendet. Die Mittagssuppe hat frische Kraft gebracht. Freie Sicht zum Horizont bzw. zum Bodden.

Nach der Gehölzentfernung

 

12/03/20 | 11.15 Uhr | Südliche Küstenheide, Hiddensee, MV | 2 Meter ü. M. | 8°, wolkig

Projektwoche 04. Die Gehölzgruppe ist mittlerweile stark ausgelichtet. Einige größere Kiefern sind seit dem Morgen schon zerlegt und abtransportiert. Ist der Rest noch vor der Mittagspause zu schaffen?

Gehölz auf Hiddensee am mittag

 

11/03/20 | Amrum, Nordfriesische Inselwelt, SH | 7 Meter ü. M. | 7°, sonnig, windig, nordig

Projektwoche 05. Ja, auch im Märzen. Erst Brombeeren und Spätblühende Traubenkirsche bekämpfen. Hektarweise. Die Lichtkonkonkurrenz der neuen Laubbaumgeneration des Inselwaldes muss weichen. Für die jungen Winterlinden, Rotbuchen und Bergahorne, die in den letzten Jahren durch das Bergwaldprojekt gepflanzt wurden. Vereinzelt waren Pflanzausfälle zu sehen. Aber viel zu wenig, um einen künftigen dichten Inselwald zu gefährden. Das Zukunftsbild steht im klaren Kontrast bei der Exkursion durch den waldlosen Inselstrich. Strauch- und baumlos starrt die Dünenlandschaft Richtung Wattenmeer. Irgendwas fehlt immer.

HInterm Horizont gehts weiter

 

04/03/20 | Südliche Küstenheide, Hiddensee, MV | 2 Meter ü. M. | 4°, niederschlagsfrei

Projektwoche 03. Die Freiwilligen haben diese Woche andere Namen, kommen aus anderen Ortschaften und lassen andere Frisuren vom Winde verwehen. Auch der Anführer aka Projektleiter hat gewechselt. Das Werkzeug ist ein wenig stumpf geworden, die Küstenheide ein wenig lichter. Die Kaltblutpower aber ist unverändert. Der dunkle Bruno und der blonde Hartmut sind weiterhin die emissionsfreien Grünschnitttransporteure des Pflegeeinsatzes. Sie fallen nicht auf, Hiddensee ist autofrei. Pferdefuhrwerke sind hier state of the art. Auch die Freiwilligen bewegen sich mit eigener Kraft, auf zwei Rädern. Alles sehr entschleunigend. Alles wohltuend. Für alle.

Bruno und Hartmut, emissionsfreie Kaltblüter

 

26/02/20 | Südliche Küstenheide, Hiddensee, MV | 2 Meter ü. M. | 5°, Bisschen Sonne mit Wind

Projektwoche 02. Nein. Auch ein Pferdefuhrwerk kann nicht an jeder Ecke stehen. Erst recht nicht in der größten zusammenhängenden Küstenheide im Ostseeraum. Kiefern werden daher durch die Heide gezerrt, Richtung Sammelplatz, verheddern sich unterwegs. Gefühlte drölfhundert Meter Weg. Abgesägter Baum um Baum, Ast um Ast. Nichts soll auf der Fläche bleiben, die hier vor der natürlichen Sukzession zu schützen ist. Zuwachsen unerwünscht, sagt der Naturschutz. Die Freiwilligen lassen die Sägen sprechen. Vor dem langen Marsch zum Sammelplatz, wo das Pferdefuhrwerk wartet. Dann Abfahrt zum Schredder. Dort wird aus den Kiefern der neue Reitplatzbelag. Alles bleibt auf der Insel.

Hiddensee statt Immenhof

 

25/02/20 | Karbach, Spessart, BY | 214 Meter ü. M. | 6°, Regenschauer

Projektwoche 01. Hier ist fertig. "Wer macht noch den Zaun zu?" Alles raus aus dem Pflanzrechteck! Die ersten der Freiwillingen sind schon weiter gezogen, um die nächsten Profile des Schutzzauns für die nächste Pflanzfläche in den weichen Spessartboden zu rammen. Da hinten stehen noch paar blaue Container mit ein paar Bergahornen. Raus damit! Und am Baumstumpf hat noch jemand seinen Rucksack vergessen. "Endlich alles draussen?" Es wird noch kräftig am Knotendrahtgeflecht gezerrt und gezurrt und geknotet. Der Zaun ist zu. Mögen die paar hundert heute gepflanzten Bergahorne hier gut anwachsen. Schutz und Nässe sind gegeben.

Die Letzten machen das Loch zu

 

16/02/20 | Rosenthal, Deutschlands Mitte, HE | 276 Meter ü. M. | 7°, mit allem

Teamtreffen. Familientreffen. Aus den entlegensten Teilen der Republik und den tristesten Forsteinrichtungen des Landes sind wieder alle gekommen. Köch*innen, Gruppenleiter*innen. Frische, Altgediente, Junggebliebene. Raue, Flauschige und Harzige. „Wo ist denn Dingenskirchen?“ „Wie hieß nochmals die eine Tante von der Rhönwoche?“ „Weißt du, warum der Dongens nicht da ist?“ Viele Antworten werden gesucht, manche gefunden. Nebenher viel Leibliches, Nachverlangendes. Als Höhepunkt der Auftritt des Großonkels, Forstvordenker Lutz Fähser: „Die moderne Forstwirtschaft gefährdet unsere Wälder.“ Wer will ein Feind der Moderne sein? Katerstimmung, Abschied, Totengedenken. Alle wissen wieder: JedeR ist ein Teil des Ganzen. Die enthusiastische Tatkraft der Sippe sichert den Erfolg.

Sind hier wirklich 123 Personen auf dem Bild?

 

08/02/20 | Böttigheim, Unterfranken, BY | 261 Meter ü. M. | 6°, teils sonnig

Pflegetag. Auf dem Magerrasen, dem Kalkmagerrasen. Landschaftspflege. 53 Freiwillige sind gekommen. Bestücken sich nach dem Frühstückskaffee mit Werkzeug und schneiden weg, was im Weg steht. Im Weg für Artenvielfalt, die Licht und Platz will. Denn: Wenn alles mit Schlehen und anderem Gebusche zuwuchert, ist es bald vorbei mit den Orchideenvorkommen an diesem Standort. Ist auch allen klar. Ohne Nutzung kein Offenland. Also weg damit.

Schlehen und anderes Gebüsch steht im Weg

 

06/02/20 | Irgendwo im Wald, Spessart, BY | 249 Meter ü. M. | 5°, feuchte Grautöne

Führungsklausur. Drei Tage, drei Köpfe, drei Vorstände. Zum ersten Mal in der 30jährigen Vereinsgeschichte zieht sich der Führungskern zur Saisonvorbereitung in den Wald zurück. Organistorisches, Weltanschauliches und Banales ist zu klären. Verantwortung lastet, Zuversicht wächst. Im Wald liegt Kraft, die Gutes schafft. An die Arbeit, die Herren!

Das Triumvirat 2020

 

18/01/20 | Berlin, Hauptstadt | 42 Meter ü. M. | 6°, bisschen trüb

Wir haben es satt. Wir sind dabei. Wir wollen ein besseres Leben.

Auch wir haben es satt

 

 

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