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KEIMRUHE | Kunstpause | Magnetic North Schirn Kunsthalle Frankfurt

Ab in die kanadischen Wälder. Derzeit prima fürs Klima in Frankfurt zu finden, in klimatisierten Räumen. Eine malende Männerbande, sich Group of Seven nennend, zog zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit Güterwagon oder Kanu in die angeblich unberührte Natur, campte, staunte, malte. Und wie! Ihr Motto: Mehr Wald, weniger Atelier. In Deutschland eher unbekannt prägten diese ikonischen Bilder das Selbstvermarktungsbild Kanadas. Nordlicht, menschenleere Wälder, Berge, Biberbauten und rohstoffhungrige Holzfällertrupps. Klein- und großformatig, eindringlich in den Farben; mal düster, mal lockend. Noch bis 29. August zu sehen. Sogar analog statt digital.

A.Y. Jackson: Lake Superior Country - in der Schirn Kunsthalle Frankfurt

 

02/06/21 | Zukunftswald Unterschönau, Thüringer Wald, TH | 647 Meter ü. M. | Sonne lacht mit bei 24°

Interne Projektwoche 4. Fichte soweit das Auge reicht. In diesem grünen Nadelmeer entstehen nun kleine - zunächst baumlose - Inseln mit maximal fünf Meter Durchmesser. Fichten werden gefällt, entrindet und zu kreisrunden Schutzwällen aufgetürmt. Innendrin soll nun die nächsten Jahre die Naturverjüngung ihr Gesicht zeigen - geschützt vor der Rotwildbeweidung. Was wird aufkommen? Alle sind gespannt. Geduld ist angesagt im Waldumbau. Hin zu hoffentlich artenreichen Laubmischwäldern.

Auf einer Rodungsinsel im Fichtenmeer

 

24/05/21 | Zukunftswald Unterschönau, Thüringer Wald, TH | 603 Meter ü. M. | sonnig bei 19°

Interne Projektwoche 3. Es wird kräftig genagelt. Für ein notwendiges Wildtiermanagement. Im Thüringer Wald liegen drei der 12 deutschen Landkreise mit den größten Rotwild-Jagdstrecken der letzten Jahren. Auch im Zukunftswald zeugen Verbiss, Schlagschäden und ausbleibende Naturverjüngung für einen hohen Wildbestand. Einen zu hohen. Damit neuer Wald auch wachsen kann braucht es also Hochsitze. Daher werden gleich mal 13 Hochsitze ohne Schnick-Schnack (Standardmodell Schliersee) vor Ort zusammengenagelt und anschließend im Wald aufgestellt. Die notwendige Regulierung des Rotwildbestandes kann beginnen. Nach Ende der Schonzeit.

Traditionelle Hochsitzparade Unterschönau

 

12/05/21 | Hangmoore Nationalpark Hunsrück-Hochwald, Hunsrück, RP | 426 Meter ü. M. | gut mit 14°

Interne Projektwoche 2. Die letzen Stauwerke werden fertig. Die letzten von gut 12 Dutzend in den letzten Jahren auf dieser riesigen Fläche. Die Mischung aus Sägemehl und Hackschnitzeln wird in die Gräben hineingesprungen und verdichtet. Das leistet maximalen Strömungswiderstand, wenn der nun verschlossene Graben doch noch bisschen das Wasser zieht. So bleibt das Wasser nun überall in der Fläche, das Hangmoor vernässt sich nach und nach. Der wichtigste Teil der Klimasschutzleistungen ist dann erreicht: das weitere Ausgasen der Torfschicht wird gestoppt. Das Moor wird in den nächsten Jahren allmählich wieder vom CO2-Emittenten zum CO2-Speicherer. Darauf: hüpf-hüpf, hurra!

Grabenverfüllungen müssen verdichtet werden.

 

05/05/21 | Hangmoore Nationalpark Hunsrück-Hochwald, Hunsrück, RP | 422 Meter ü. M. | minimal heiter bei 6°

Interne Projektwoche 1. Freiwillige müssen noch zuhause bleiben bei den Abschlussarbeiten der mehrjährigen Wiedervernässung der Hangmoore im Nationalpark. Entwässerungsgräben verschließen und arbeiten unter Corona-Bedingungen bedeutet daher: Interne Kräfte machen das und sind trotzdem gut gelaunt. Der Sicherheitsabstand beträgt in der Regel eine Hauenlänge - was auch ohne Coronagefahren stets eine lebenserhaltende Maßnahme ist. Wird diese Länge unterschritten heißt die Parole: FFP2!

Rammkatzeln nur mit Schutzmaske.

 

10/03/21 | Zukunftswald Unterschönau, Thüringer Wald, TH | 678 Meter ü. M. | neblig-grau mit 4°

Waldinventur. Im Zukunftswald wird gearbeitet. Unterwegs sind vier Dreierteams mit Klemmbrett, Kluppe und Knowhow. Ihre Ziele sind 200 gleichmäßig über den Waldbesitz verstreute Aufnahmepunkte für eine erste Stichprobeninventur. Eisenstäbe werden eingeschlagen, markieren dauerhaft die Probekreise mit einem Durchmesser von mehr als 25 Meter. In diesem Kreis ist fast alles von Interesse was Baum ist, war und wird. Arten, Alter, Größe, Vitalität. Mit und ohne Schäden, Epiphyten und Besonderheiten. Alles wird akkurat vermessen, bestimmt und aufgenommen. Arbeit für Experten, Grundlage für die Zukunft und das Waldbewirtschaftungskonzept. Denn um künftig klar zu sehen was ist, muss man wissen was war.

Inventurblatt für Bleistift und Klemmbrett

 

04/03/21 | Zukunftswald Unterschönau, Thüringer Wald, TH | 525 Meter ü. M. | meist grau bei 11°

Frühjahrsputz. Zum neuen Zukunftswaldbesitz gehört standesgemäß auch eine kleine Waldhütte. Statt erster Projekteinsätze daher: Putzen, Ausbessern, Anbauen. Mit der Infektionslage vereinbar beschäftigen sich die Spezialkräfte aber in erster Linie mit Außenarbeiten. Zugang erleichtern, Müll einsammeln und das wichtigste - immer bei ausreichend frischer Luft - dabei: Außenbereich gestalten. Schließlich soll dereinst nach getaner Arbeit im eigenen Wald auch der wohlverdiente Feierabend in der Abendsonne vor der Hütte genossen werden.

Dachbegrünungsvorbeugung

 

KEIMRUHE | Buchpause | Lutz Fähser (Hrsg.) u.a.: Der Holzweg

1,1 kg schwer, 480 Seiten stark: die aktuelle und umfassende Bestandsaufnahme der Kritik am Wirken der Forst-Wirtschaft und deren waldzerstörenden Bewirtschaftungsmethoden. Getreu der Erkenntnis "Ein Baum, der fällt, macht mehr Krach als ein Wald, der wächst", findet das Buch wenig Erfreuliches in der deutschen Forstlandschaft. Dazu sind die Autor*innen (großteils Männer im Rentenalter) doch zu sehr Teil des Waldschutz-Netzwerkes, das mit ihrer Arbeit dazu beigetragen haben will, „dass Wälder und Forste noch existieren“. Betitelt sind die knapp 30 Beiträge des Buches mit „Wald im Widerstreit der Interessen“; gemeint ist damit der auch im Wald existierende Dauerstreit zwischen Natur und Kapital, in dessen Verwertungslogik die Forstbehörden den Waldschutz und Naturwälder „ideologisch begründet“ ablehnen. (Nebenbei stellt sich damit die Frage, welche Eigentumsform für den Waldschutz die beste ist.) Während in einem Beitrag die mechanisierte Holzernte als empathielose und entfremdete Arbeit beschrieben wird, die der Arbeit in den Schlachthöfen der Massentierhaltung gleicht, wird die Forstwirtschaft auch als Ganzes in einer Sinnkrise gesehen. Der Klimawandel führt zu einer permanenten Bedrohungslage, Forstwissenschaftler sehen als das Beste für die Wälder das "Sein-Lassen" und "Nichts-Tun". Zeit also für eine Neuorientierung, die der Band mit Konzepten anregt - wenn Forstakteure das Buch denn open-minded lesen...

Der Holzweg - die Fibel des Waldschutznetzwerkes

 

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