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Walderdbeerplantage

06/10/18 |  Am Hambacher Wald, Rheinisches Braunkohlerevier, NRW | 108 Meter ü. M.

Hambacher Fest der Klimabewegung. Die Gegenwart ist komplex. Millionen von Tagesschauzuschauern fragen sich: was soll die durchgestrichene Wurst auf der zentralen Kundgebung vor dem Hambacher Wald? Wir wissen: Klimaschutz gelingt nur mit dem Ausstieg aus der Braunkohleverbrennung UND der Reduzierung des Fleischkonsums und des Flugverkehrs. Das Bergwaldprojekt erinnert auch auf dieser Veranstaltung daran, dass Klimaschutz nicht nur Sache der Politik ist, sondern Sache jedes einzelnen Individuums. Das ganze gelingt nur, wenn die Sache in der Mitte der Gesellschaft ankommt. Diesen wichtigen Hinweis gibt dann gleich auch noch ein Gruppenleiter des Bergwaldprojekts aus Saarbrücken...

In der Mitte des Bildes

 

04/10/18 |  Diepholzer Moorniederung, Norddeutsches Tiefland, NI | 41 Meter ü. M.

Projektwoche 57. Das Entkusseln geht weiter. Tausende kleiner Birken und auch die eine oder andere Kiefer: entfernt. Im Oppenweher Moor, im Rehdener Geestmoor undundund. Alles bereits vor Jahren wiedervernässt. Doch die Freiwilligen sind nicht allein. Es ist Herbstzug. Kraniche. Sie rasten hier für einige Tage auf dem Weg nach Südfrankreich. Tagsüber fressen sie hier auf den Feldern und nachts stehen sie in den Moortümpeln, weil der Fuchs dafür zu kurze Beine hat... Auch ein Erfolg der Naturschutzarbeiten hier. Die Moortümpel, nicht die Beine der Füchse.

Im Zwielicht im Rehdener Geestmoot

 

02/10/18 | Eibenstock, Erzgebirge, SN | 652 Meter ü. M.

Projektwoche 59. Schnee. Der erste Schnee. Die kleinen Tännchen sind frisch gezuckert. Nun brauchen Sie schnell ihre frischen Wollmützchen. Aus 100% ungereinigter Abfallwolle aus der Schafschur. Aber nicht wegen dem bisserl Schnee. Nein. Das gefräßige Reh- und Rotwild verursacht den Wollmützenschutz. Verbissschutz ist angesagt. Das internationale Freiwilligenheer im Aufbommel-Einsatz. International verständliche Schautafeln kommen zum Einsatz. Alle wissen nun, was zu tun ist. Der kalte Schnee ist ignorierbar. Das natürliche Wollfett wärmt und pflegt die Freiwilligenhände aufs vortrefflichste.

Schautafeln zum Aufbommeln bei der Weißtanne

 

28/09/18 | 1. OG Veitshöchheimer Str. 1b, Würzburg, BY | 226 Meter ü. M.

Waldsalon Vol. VII. Borkenkäfer? Trockenheit? Waldsterben? „Tatsächlich war es ein Bombenjahr für die biologische Vielfalt in unseren Wäldern, weil Bäume gestorben sind. Jeder Baum, der stirbt, ist ein Labsal für die Biodiversität im Wald, in unserem viel zu vitalen durchgestylten, gepflegten deutschen Langweilerwald.“ Das sitzt für den Anfang. Weiter geht's mit dem Referenten des Abends. Alle jammerten über zu viele Wespen. Vielleicht gibt es aber auch zu viele Menschen!? Prof. Dr. Jörg Müller ist Zoologe und stellvertretender Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald. Im letzten Jahr hat er den gehörnten Zunderschwamm-Schwarzkäfer (Neomida haemorrhoidalis) - eine sogenannte Urwaldreliktart - auch im Nationalpark Bayerischer Wald nachgewiesen. Für ihn ist also klar: "Immer wenn der Buchdrucker Bäume tötet, erhöht das massiv die Biodiversität in den Wäldern." Hier noch mehr zu dark diversity, Insektensterben und Windschutzscheibenscreening.

Erst wenn der letzte Schmetterling vorbeigeflattert ist...

 

27/09/18 | Morbach, Hunsrück, RP | 440 Meter ü. M.

Projektwoche 55. Der Morgennebel verbreitet eine mystische Stimmung auf der Wacholderfläche. Das passt. Gilt Wacholder doch als Friedhofsbaum und Zufluchtsort verstorbener Seelen. Aber völlig unmythisch werden Pfosten gerammt, wilddichte Drahtzäune gespannt, konkurrierende Bäume entfernt. Alles zum Wohle des Wacholder. Wenn dessen Zweige den Boden berühren, bilden sie Wurzeln und er vermehrt sich kriechend über den Boden. Also wird hier nachgeholfen, es werden Heringe geschnitzt und die Äste nach unten gebogen. Auf dass er wurzelt und sich hier kräftig ausbreitet. Für noch bessere Stimmung.

Wacholder allüberall und es soll noch mehr werden

 

26/09/18 |  Diepholzer Moorniederung, Norddeutsches Tiefland, NI | 41 Meter ü. M.

Projektwoche 56. Die Entbuschung hat oberste Priorität in der Moorlandschaft. Mit Astscheren und -sägen gegen den Kiefernaufwuchs. Mit Astscheren und -sägen gegen Birkenaufwuchs. Mit Astschere und -säge gegen Birken- und Kiefernaufwuchs in Bult-Schlenken-Komplexen. Mit Astschere und -säge gegen den Aufwuchs auf Schwingrasen (trocken). Mit Schneeschuhen, Astschere und -säge gegen den Birken- und Kiefernaufwuchs auf Schwingrasen (feucht). Immer mit viel Motivation und Tatkraft gegen die Naturverjüngung der Bäume. Es wird entkusselt, bis das letzte Junggehölz wieder für eine Vegetationsphase Geschichte ist. So bleibt das gegen die Trockenheit kämpfende Moor noch Moor.

Schneeschuhe auf Schwingrasen, 1408 x 792

 

25/09/18 | Feldberg, Hochschwarzwald, BW | 1098 Meter ü. M.

Projektwoche 54. Es wird viel gesägt, hier im Menzenschwandner Tal. Das vom Feldberggletscher geformte Tal wird wieder lichter. Fichte um Fichte wird gefällt von den fast zwei Dutzend Freiwilligen. Laubhölzer werden freigeschnitten, Sägen verformen sich, Holzhaufen häufen sich, Landschaft wird geformt.  Derweil steht mittags vor der Unterkunft überraschender Besuch. Ein junger Auerhahn beäugt die Köchin, diese beäugt den Jungvogel. Was will er sagen? Will er uns nur seine Losung hinterlassen? Erinnert er noch an seine bevorstehende Biotoppflege? Gewiss doch. Morgen schon geht es wieder in die Pflege für die seltenen Hühnervögel. Man wird ja wohl noch mal was anderes machen dürfen...

Auf der Spur des Auerhahns

 

24/09/18 | Berlin, Hauptstadt | 102 Meter ü. M.

Projektwoche 82. Auch im Südwesten Berlins ist Waldumbau angesagt. Eingeengt zwischen der alten Berliner AVUS-Rennstrecke, dem Schlachtensee, Krumme Lanke und Grunewaldsee werden hier 14 ha Bestände gepflegt. Ausnahmsweise geht es mal nicht in erster Linie gegen die Spätblühende Traubenkirsche. Nein, die mit Sägen und Astscheren ausgestatteten Freiwilligen haben ein anderes Ziel: Die nicht-heimischen Roteichen (bzw. die amerikanische Spitzeichen) werden flächig entfernt. Dieser durchsetzungsstarke Waldneuling würde sonst die heimischen Baumarten wie Buche, Berg- und Spitz-Ahorn, Winter-Linde und Hainbuche daran hindern, die Bestände der Zukunft zu bilden. Also heißt die Devise: Ami go home.

Zwei Sägen gegen die amerikanische Spitzeiche

 

20/09/18 | Morbach, Hunsrück, RP | 440 Meter ü. M.

Projektwoche 85. In der Niederwaldpflege. Ein ortsansässiger Rentner kommt mit seinem Traktor vorbei. Staunende Frage: „Sowas gibt’s?“ - die chinesischen Studentinnen anblickend, die freiwillig seinen Wald vor seiner Haustür aus Naturschutzgründen pflegen. Ja, früher, da hat er noch als Jugendlicher mit seinem Vater den Niederwald „auf den Stock gesetzt“. Um Brennholz und Lohrinde für die Gerberei zu gewinnen. Historische Waldnutzungsformen werden plötzlich wieder ganz lebendig, Naturschutz bekommt eine Geschichte. Aber genug der Plaudereien. Die Arbeit geht weiter. Bäume fallen, Zäune werden abgebaut, austreibende Bäume vor Wildverbiss geschützt. Niederwaldpflege eben.

Die NiederwaldpflegerInnen mit chinesischer Unterstützung

 

18/09/18 | Feldberg, Hochschwarzwald, BW | 1098 Meter ü. M.

Projektwoche 53. Altweibersommer im Wilhelmer Tal. Junge Männer am Werkzeug. Schaffen Licht, machen Platz, geben Gas. Schneisen werden angelegt. Nicht zum Schießen, sondern für die Leittierart hier im Hochschwarzwald. Das Auerwild braucht offene Strukturen statt dichter Aufwuchs. Fichten stehen im Weg. Müssen weg. Die Verknüpfung des Balzplatzes zu den Nachbarbiotopen muss heute noch gelingen. Morgen geht's zum Felsenweg, Instandhaltung des Wanderwegs. Blong. Die Holzfällerschläge schallen durch das Tal. Blong. "Aaaachtung. Baum fällt". Baum fällt. Zielgenau. Naja, fast...

Licht. Mehr Licht. Die Auerhühner wollen Sonne.

 

14/09/18 | Wertach, Oberallgäu, BY | 951 Meter ü. M.

Projektwoche 48. Wegeinstandhaltung. Die Allgäuer Berghänge werden hier von kleinen Bachläufen und Rinnen durchzogen. Diese sind zu überbrücken - mittels kleiner Brückenbauwerke. Wenn sie mit den Jahren morsch werden, müssen sie saniert werden. Meterlange neue Stämme müssen her - als neue Grundlage. Alle müssen zusammen anpacken. Eifrigst mit dabei: die vier Forstwirtauszubildenden und ihr Ausbilder von Sachsenforst, die hier die Freiwilligen unterstützen. Da geht ordentlich was voran. Staunen nach der Fertigstellung: Das. Haben. Menschenhände. Zusammen. Geschaffen. Wow!

Über diese Brücke wird man wieder gehen können

 

13/09/18 | Morbach, Hunsrück, RP | 440 Meter ü. M.

Projektwoche 47. Morbach ist Moorwiedervernässung. Schon die zweite Woche. Das aktuelle Bauwerk ist noch nicht ganz feriggestellt, aber es staut schon ganz ordentich. So soll es sein, denn: Moor muss nass, wie der Wortsparfuchs weiß. Zwei Entwässerungsgräben sind nun dicht gemacht; werden ihrem Namen nun nicht mehr gerecht. Sie sind unwirksam. Mit fast zwei Dutzend Bau- und Stauwerken. Also fast zwei Dutend Spundwände, mit Grabenverfüllung, mit Hackschnitzel-Sägemehl-Mischungen. Noch zwei Bauwerke, dann ist gut. Dann ist auch diese Fläche erstmal fertig. Den Rest muss die Natur dann selbst übernehmen. Sie weiß wie es geht.

Moor muss nass

 

11/09/18 | Berlin, Hauptstadt | 102 Meter ü. M.

Projektwoche 50. Vor drei Wochen lag Berlin unter der Waldbrandgeruchsglocke der brennenden Kiefernwälder Brandenburgs. Klar wurde: monotone Kiefernwälder haben bei langanhaltender Dürre Alptraumpotential. Hier tut Waldumbau not! Die Freiwilligen packen an. Mit Säge und Axt wird im Nordwesten Berlins zunächst Kleinholz gemacht. Das waldbauliche Hindernis für den Waldumbau hat hier einen üblen Geruch, wenn man die Rinde reibt und eine klaren Namen: Spätblühende Traubenkirsche. Damit die vorkommende Laubnaturverjüngung eine Chance hat, heißt die Parole: keine Chance der Traubenkirsche. So werden aus deren Stämme Baumscheibentrophäen. Das Waldumbauprogramm Berlin bekommt sein Gesicht.

Traubenkirschenbaumscheiben vor dem Gesicht

 

10/09/18 | Horn-Bad Meinberg, Nordostwestfalenmittelinks, NW | 427 Meter ü. M.

Projektwoche 49. Von der Preußischen Velmerstot kann man mit bisschen Glück bis zum Brocken im Harz schauen. Tolle Aussicht - die natürlich getrübt wäre, wenn alles zuwachsen würde. Aber der Trupp Freiwilliger ist auch dieses Jahr wieder fröhlich am entbuschen - Platz für Orchideen statt Sukzession. Der Offenlandcharakter auf der Velmerstot wird gepflegt und erhalten. Einzelne Bäume und Sträucher dürfen dabei stehen bleiben - z. B. Weiden und Pappeln: als häufige Futterpflanzen für Schmetterlingsraupen. Es gilt auch hier: je mehr Strukturen, desto höher die Artenvielfalt. Und je weniger Bewuchs, desto mehr Ausblick.

Mit der Astschere für Aussicht und Artenvielfalt

 

05/09/18 | Lichtenau, Am Teutoburger Waldrand, NRW | 299 Meter ü. M.

Projektwoche 45. Auch hier: Holzstauwerke, Moor, Torfmoos, Wiedervernässung, Rauschbeere, Renaturierung, Moorlebensräume, Wiederherstellung, Moorflächen, Biotopvernetzung, Rundblättriger Sonnentau, Wiesenpieper, Gehölzentnahme, Raubwürger, Entwässerungsgrabenverschluss, Wasserverdunstungsminimierung, Wasserhaushaltsverbesserung, Kohlenstoffspeicher, Klimaschutz. Kurzum: fast alles.

Auch am Teutoburger Waldrand ist das Moor zu trocken

 

30/08/18 | Balderschwang, Oberallgäu, BY | 1044 Meter ü. M.

Projektwoche 43. „Die Wälder hier zeigen immer die Spuren des Bergwaldprojekts. Überall wo man sich bewegt und diese Tannen sieht kann man sagen: Die sind durchs Bergwaldprojekt gepflanzt worden,“ erklärt der Förster der Bayerischen Staatsforsten dem Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks beim bayerischen Interview. Seit 25 Jahren werden hier Weißtannen geplanzt. Auch heute wieder. In den Lenzengräben. Die zehn Freiwilligen sind mit 720 Weißtannen in der Ein-Hektar-Fläche. Stockachselpflanzung. Kurz zuvor war hier ein Hieb. Die Spuren des Seilkrans sind noch sichtbar. Die Spuren der Freiwilligen werden hoffentlich noch länger sichtbar sein.

Stockachselpflanzung Balderschwang

 

28/08/18 | Heimbach, Nationalpark Eifel, NRW | 252 Meter ü. M.

Projektwoche 42. Was haben Wildschutzzäune in einem Nationalpark zu suchen? Nichts. Aber sie werden gesucht. Und gefunden. Von den Freiwilligen. Diese spüren die knotengeflechtigen Schutzzäune auf. Egal ob eingewachsen oder niedergedrückt. Maschendrahtiges muss weichen. Unmengen an Draht im Wald. Im Unterholz. An Waldgrenzen. Um alte Fischteiche. Um Pflanzungen, die zu Zeiten des kalten Krieges noch vor Verbiss zu schützen waren. Alles darf raus. Alles muss raus. Alles kommt raus. Es hat sich ausgezäunt im Nationalpark.

Maschendrahtzaun auf dem Kopf

 

23/08/18 | Biosphärenreservat Rhön, Hessische Rhön, HE |  421 Meter ü. M.

Projektwoche 86. Borstgrasrasenpflege ist unsexy und rockt nicht? Das sieht der Wachtelkönig und der Skabiosen-Scheckenfalter aber anders. Es geht um ihren Lebensraum. Die Sukzession verhindern und die Artenvielfalt fördernd: Das ist der Auftrag der Offenhaltung der Landschaft in der Hessischen Rhön. Zum Wohl von Wachtelkönig und namhaften wie schönen Faltern. Außerdem: Praxisteil für die Studierenden der Universität Würzburg. Auch sie lernen hier "Bildung für nachhaltige Entwicklung in Theorie und Praxis". Konkret: Praxis. Ganz konkret: Borstgrasrasenpflege.

BWP rockt auch den Borstgrasrasen

 

17/08/18 | Nationalpark Jasmund, Osteseeinsel Rügen, MV | 79 Meter ü. M.

Projektwoche 35. Der Projektleiter hat noch Wünsche. Etwas Choreografie in der Landschaft. Die TeilnehmerInnen freuen sich, der Fron in der Hitze der Kesselmoore für kurze Zeit zu entrinnen. Machen mit. Fassen sich an den Händen. Verrenken sich im hohen Gras. Tanzen keine Namen. Kann das jemand erkennen? Das Werk heißt "Danke an die ersten Tausend." Und nun rasch zurück in die Kesselmoore. Die Wiedervernässung geht weiter.

Die Tausend steht

 

17/08/18 | Neukirchen, Knüllwald, HE | 261 Meter ü. M.

Projektwoche 37. Das Leben ist kein Ponyhof und Tarpane keine Weiderinder. Tarpane? Ja. Das sind nachgezüchtete Wildpferde. Diese Orchideentiere sind die Arbeitskollgen der Freiwilligen. Im ehemaligen Hutewald. Dort werden gerade tatkräftig Gehölze, Stockausschlag und Naturverjüngung entfernt. Das verschmähen die beiden Tarpane ebenso wie Schlehen und Traubenkirschen. Das wird also auch von dem guten Dutzend Freiwilliger erledigt - sogar mit Ausgraben (Traubenkirsche). Tarpane besorgen nur die Beweidung - es kommen aber auch mal belaubte Ästen auf den Speiseplan. Auch ihr Leben ist ja kein Wunschkonzert.

Tarpane als Weiderinder

 

15/08/18 | Naturschutzgebiet Lange Rhön, Bayerische Rhön, BY |  632 Meter ü. M.

Projektwoche 39. Es wird heftig gesägt in der Rhön. Nach ein paar Regenschauern wird es auch schon wieder warm. Zwölf Freiwillige widmen sich der Landschaftspflege. Sie sind für das Grobe zuständig. Haselsträucher und andere Gehölze werden mit der Säge auf den Stock gesetzt. So wird flugs ein Hektar Fläche entbuscht. Die Bewaldung der artenreichen Offenlandstrukturen wird so verhindert. Später sollen auch hier die vierbeinigen LandschaftspflegekollegInnen den Job weitermachen. Die Ziegenbande ist bereits in der Nachbarschaft im Einsatz. Ihre Säge ist ihr Hunger.

Kollegen in der Landschaftspflege

 

14/08/18 | Garmisch-Partenkirchen, Bayerische Alpen, BY | 913 Meter ü. M.

Projektwoche 38. Schutzwaldsanierung. Zehn Freiwillige in steilem Gelände. Gewitterdonner. 1000 Weißtannen für die nächste Schutzwaldgeneration warten auf pflanzende Hände. Leider liegen die Pflanzen nicht schon neben dem potentiellen Pflanzloch. Zeit für die Kraxe. So kann jedeR zum Sherpa werden und das Pflanzgut nach oben bringen. Und gut, dass es nach der Hitze auch kühler geworden ist. Und oh Wunder: es kann in Deutschland auch noch regnen. Ideale Voraussetzung für die frisch gepflanzten Bäume. Zum Wohle des Schutzwaldes.

Mit der Kiste auf der Kraxen

 

09/08/18 | Nationalpark Jasmund, Osteseeinsel Rügen, MV | 82 Meter ü. M.

Projektwoche 34. Uuuih. Was ist denn da im Wasser? Eine Gelbbauchunke, besser bekannt als bombina variegata. Unverkennbar: gelber Bauch. Aber halt. Es gibt immer einen, der es besser weiß. Es ist doch keine Gelbbauchunke. Diese ist auf Rügen nämlich stets die Rotbauchunke, ist aber auch immer mal gelb am Bauch. Aha. Egal, die Überraschung ist trotzdem groß. Und schön, wenn einer der direkten Nutznießer, hier also bombina bombina, der Wiedervernässung der Kesselmoore mal persönlich vorbeischaut und begutachtet, was die Freiwilligen so machen. Egal, ob mit gelbem oder rotem Bauch. Es ist eine Freude. Danke Unke.

Rotbauchunke mit gelbem Bauch

 

08/08/18 | Neukirchen, Knüllwald, HE | 261 Meter ü. M.

Projektwoche 36. Zunächst noch gut getarnt: der aufgelassene Kalksteinbruch.

Kalksteinbruch mit Tarnung

Nur kurze Zeit später bereits und mit 6 Liter Wasser pro Kopf als Felsbiotop enttarnt.

Kalksteinbruch schon halb enttarnt

Und dank der 18 freiwilligen FreischneiderInnen nun ganz der Sonne zugetan. Es jubeln: Insekten, Orchideen, Reptilien und die gefiederten Freunde.

Kalksteinbruch komplett enttarnt

 

03/08/18 | Nationalpark Jasmund, Osteseeinsel Rügen, MV | 84 Meter ü. M.

Projektwoche 33. Die Künste und Leidenschaft der ProjektköchInnen sind Legende. Aber es ist natürlich maßlos übertrieben, dass tagsüber während der Arbeit in den Kesselmooren schon ausschließlich an das folgende Abendessen gedacht wird - trotz dessen unleugbaren Gourmetqualitäten dank mediterranem Esprit und gustatorischer Raffinesse. Ebenfalls Quatsch: Geschirrabwasch ist anschließend überflüssig.

Abwasch war gestern

 

01/08/18 | Fichtelberg, Oberfranken, BY | 651 Meter ü. M.

Projektwoche 32. Ganz Deutschland stöhnt unter der Hitze. Streitet sich: Ist das schon die finstere Fratze des Klimawandels oder nur ein gewöhliches Sommerereignis? Im Fichtelgebirge wird derweil gearbeitet. Arbeitsmedizinische Tipps bei der Hitze: ungewohnte körperliche Belastungen im Freien vermeiden, Arbeiten in den Abend verlagern, Hitze aussperren. Im Fichtelgebirge (liegt nicht im Büro) grinsen die Freiwilligen ob dieser originellen Tipps. Stattdessen Tipps für's Entfichten: Pausen machen, Schatten suchen. Dazwischen: Entfichten für Bachlauffreistellung. Entfichten fürs Auerwild. Entfichten für Waldrandgestaltung. Tipp zum Abend: Kaltgetränke.

Hitzeopfer im Fichtelgebirge

 

26/07/18 | Rohrhardsberg, Schwarzwald, BW | 949 Meter ü. M.

Projektwoche 30. Familienwoche. 32 Leute im Schwarzwald. Groß und klein. Auch die Kids sind heute mit dabei bei der Auerhuhnbiotoppflege. Entfichten, Heidelbeere fördern, offene Strukturen fördern. Jetzt: Frühstückspause. Wo ist Schatten? Wo ein großer Baum? Da ist schon einer: eine herrliche Solitärpausenfichte. Ohne bedrängende Nachbarsfichten konnte der Baum auch in die Breite wachsen und dauerhafte Äste ausbilden. Also: viel Äste für viel Gäste. Der perfekte Baum für die Pause. Und um sich ganz einzufühlen und als Auerwild zu fühlen: Blaubeeren. Viel Blaubeeren essen. 

Die Solitärpausenfichte

 

26/07/18 | Nationalpark Jasmund, Osteseeinsel Rügen, MV | 84 Meter ü. M.

Waldschulwoche 15. Auf der Insel. Nicht mit dem Arbeitskreis "Ornamentale Haarstränge" der Friseurinnung Schorfheide, sondern mit Studierenden der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde. Unter anderem im Fokus und in Verarbeitung: die Flatterbinse. Auf Kurz- und Recherchebesuch: die Ostsee-Zeitung.

Flatterbinse, geflochten

 

25/07/18 | Fichtelberg, Oberfranken, BY | 653 Meter ü. M.

Projektwoche 31. Heute: den Giftschlangen zuliebe schwitzen - bei 34° im Schatten. Die Kreuzotter aus der Familie der Vipern wird immer seltener und zählt natürliche Felsstandorte zu ihren Lieblingshabitaten und ursprünglichen Lebensräumen. Und diese gibt es hier. Auf den Felsen sind ihre Lieblingssonnenplätze. Dort ist's noch wärmer. Werden diese aber vom Wald überwuchert ist's aus mit dem Sonnendeck für die kleine Giftschlange. Also heißt es Felsen freistellen und Bestockung auflichten oder im Klartext "Weg mit dem Baumzeugs von den Felsen!" Damit sich die Ottern ordentlich sonnen können. Auch wenn's mal wieder kühler wird.

Felsen freistellen für Kreuzotter und Co.

 

20/07/18 | Fichtelberg, Oberfranken, BY | 653 Meter ü. M.

Waldschulwoche 10. Ist da etwa einer? Kann das sein? Möglich wär's... aber nein - leider wieder kein Auerhahn. Vielleicht in einigen Tagen wieder, wenn es wieder ruhiger wird im Fichtelgebirge. Wenn das Auerwild die neuen, von Neumarkter GymnasiastInnen freigestellten Heidelbeerflächen sieht und sich wild auf's Gebeere stürzt. Und wenn's ihm zu warm wird auf der Blockhalde, kann es rüber fliegen auf das ebenso von Fichten befreite Moor - da steht noch genügend Heidelbeer-Fingerfood. Und es kann kann zur Abkühlung auch mal ein Bein in so ein Moorloch stecken. Wie die SchülerInnen, die sich hier der Heidelbeerkulturoptimierung vulgo Biotop-Pflege für das Auerwild widmen.

Kein Auerwild in den Heidelbeeren

 

19/07/18 | Walchensee, Oberbayern, BY | 908 Meter ü. M.

Projektwoche 28. Am Walchensee kommt Wehmut auf. Letzter Arbeitstag. Es werden nochmals 760 Weißtannen gepflanzt. Die letzten Tage wurden schon mehrere Hektar Jungwuchs gepflegt, Jagdsitze fertiggestellt, Schussschneisen freigeschnitten und etliche Käferbäume geschält. Tolle Arbeiten. Zufriedenheit. Die Freiwilligen sind zu einer Gemeinschaft geworden. Die Gruppendynamik hat mal wieder funktioniert. Alle denken: "Schade. Schon vorbei." Am Abend noch einmal ausspannen, den tollen Ort genießen. Noch einmal zum Bad in das kühle Nass bevor es morgen wieder heimwärts geht. Nur noch einmal. Schluchzzzz.

Weißtannenpflanzung in der Schutzwaldsanierung

 

18/07/18 | Rohrhardsberg, Schwarzwald, BW | 951 Meter ü. M.

Projektwoche 29. Mitten im Wald ist Leben. Hier: Lagerleben. Camping. Am einen Rand die Forsthütte, am anderen Rand ein kleiner Teich. Kaltwasser. Richtig kalt. Campingwetter. Warm, laue Nächte. Abendzeit. Das Leben findet draussen statt. Nicht nur tagsüber bei Auerwaldbiotop-Pflege, Magerwiesenenthurstung, Felsbiotopfreistellung oder der Pflege von Jagdschneisen. Kochdüfte ziehen über den Camp-Campus, vor der Forsthütte wird gekocht. Es riecht nach Kraut. Kraut mit Schupfnudeln (selbstgemacht!). Der Essensduft zieht bis hinters letzte Zelt. Lockt die hungrigen Freiwillingen hervor. Essenszeit. Das ist Leben.

Das Bergwaldprojekt-Camp an der Finstermattenhütte

 

 

Hinter dem Horizont liegt das Meer

12/07/18 | Walchensee, Oberbayern, BY | 908 Meter ü. M.

Projektwoche 27. Die Seele spürt: Wenn ich den See seh, brauch ich kein Meer mehr. Das Auge sieht: Steil geht's hinab zum See. Der Kopf begreift: Schutzwald kommt von schützen und der Schutz muss von oben kommen. Die Freiwilligen: Pflanzen 1200 Lärchen in den Steilsthang, pflegen den Jungbestand, rechen Wildwiesen ab. Ziel: stabiler, vitaler, struktur- und baumartenreicher Bestand. Die Sehnsucht ahnt: Nach der Arbeit geht's ins Wasser.

Unten der See...

 

11/07/18 | Rohrhardsberg, Schwarzwald, BW | 951 Meter ü. M.

Waldschulwoche 14. Neue Woche, neue Schüler, neue Lehrer. Das Gelände bleibt und damit Flächen, die nicht mehr beweidet werden. Das Sterben der Milchbauern lässt Flächen zuwachsen. Enthurstung hilft und Sägen hilft beim enthursten. Ebereschen und Fichten weichen. Weichen für artenreichen Biotope, Heimat vieler Falter und Magerrasen- und Moorspezialisten. Die 34 Achtklässler machen kurzen Prozess, bewaffnet mit Säg- und Schnippelwerkzeug fällt durch ihre Hände Bäumchen um Bäumchen. Freiflächen zeigen sich wieder, schaffen Blick-Weite. Zumindest für diese Fläche und dieses Jahr.

Anonymer Säger

 

05/07/18 | Rohrhardsberg, Schwarzwald, BW | 963 Meter ü. M.

Waldschulwoche 13. Im Einsatz an den Schwarzwaldhängen: die Waldorfschule Engelberg aus dem schwäbischen Schorndorf. 28 Kopf stark. Bereit zur Moorentbuschung, Nasslager-Pflege, Spätzle-Schlacht (wg. Heimatort), Wegeinstandhaltung, Arbeitsstellungbedichtung (Lyrik) und Adlerfarnmähen. Beim Letztgenannten zeigt sich die Trittsicherheit, welche die Schwarzwaldrinder wohl nicht mehr haben. Fehlender Rindertritt lässt den Adlerfarn wuchern, auch gefressen wird er nicht (giftig Zeug!). So droht die Adlerfarnmonotonie. Doch die Schulklasse wird dies verhindern. Mähen und Rechen statt Mathe und Rechnen. Klappt.

Der Adlerfarn muss weg

 

03/07/18 | Am Halblech im Lechtal, Oberbayern, BY | 807 Meter ü. M.

Projektwoche 26. Erntezeit rechts und links der Halblech, einem kleinen Zufluss des Lechs. Auf der Ernteliste: Drüsiges Springkraut und Kanadische Goldrute. Beides Pflanzen mit enormem Ausbreitungs- und Verdrängungsdrang, die sich bis dato sorgenfrei in den gehölzfreien Uferbereichen ausbreiten - dank des undynamisch-gebändigten Flusstals ohne regelmäßige Überschwemmungen und Sedimentanlagerungen. Aber damit ist nun Schluss. Jetzt kommen andere Arten wieder ans Licht: die Deutsche Tamariske und das Knotige Mastkraut, beide als "Vom Aussterben bedroht" gelistet. Und für Dynamik sorgen die erntenden Hände der Freiwilligen, die hier den Neophyterichen den Garaus machen. Endgültiger Garaus dann in der Müllverbrennung, mit "thermischer Behandlung".

Fünf bei der Neophytenernte am Halblech

 

27/06/18 | Hangmoore Nationalpark Hunsrück-Hochwald, Hunsrück, RP | 426 Meter ü. M.

Projektwoche 25. Laute Schmatzgeräusche durchziehen das Moor. Der schlürfend-monotone Stampfrhythmus der Freiwilligen. Je nach Einsinktiefe der Stampfenden witscht auch flugs einmal ein Fuß aus dem Gummitanzstiefel. Aufgeführt wird der zeitraubende Tanz zum Einstampfen der Füllung der Gräben zwischen den Verbauungen. In den letzten drei Wochen wurden bereits 25 Staubauwerke vollendet. Morgen soll ein weiteres folgen. Aber der Stampf geht weiter. Der stark zersetzte, aber noch vorhandenen Torf soll mit der Sägespanmischung vermischt und mit den Grabenrändern verzahnt werden. So wird alles erstmal gründlich durchgefeuchtet. Erst dann gibt es noch die Zusatzimpfung mit Torfmoos aus den umgebenden Flächen. Aber davor nochmals: eine Runde weiterstampfen.

Stampftanz zur Entwässerungsgrabenverfüllung

 

21/06/18 | Biosphärenreservat Rhön, Bayerische Rhön, BY | 834 Meter ü. M.

Projektwoche 22. Das Ende naht - für dieses Jahr in der Rhön. Das Lupineneinerlei geht zu Ende. Einzige Abwechslung dabei: die Wahl der Waffen bzw. des Werkzeugs. Mit der Sichel die kleinen Nester dicht über dem Boden? Oder vielleicht mal flächig mit der Sense? Aber das will gekonnt sein... Oder doch an die Wurzel mit dem Häulein? An die lange dicke Pfahlwurzeln mit ihren Bodenstickstoff anreichernden charakteristischen Knöllchen? Alles hilft. Tonnenweise wurde die Lupine, der ungeliebte Neophyt, in der Rhön nun wieder "geerntet". Doch trotz Augenschein: [a gmà:de wi:sn] ist die Sache mit der Lupine wohl noch lange nicht. Auch nächstes Jahr wird es wieder heißen: Lupine, der Kampf geht weiter!

[â gmähts wiesle]

 

20/06/18 | Neustadt am Main, Spessart, BY | 233 Meter ü. M.

Projektwoche 83. Bitte vormerken, liebe Bayerische Staatsforsten AöR bzw. notieren für Deine dereinstige Nachfolgegesellschaft im konföderiert-kantonalen Europäischen Reich bunter Nationen. In ca. 240 Jahren erwartet das Bergwaldprojekt mal bisschen Dankbarkeit. Wg. Spessart-Eiche. Wird dann immer noch das Gold des Spessart sein. Die Mischwuchsregulierung zugunsten der Eiche steht jetzt 2018 auf dem Programm der Freiwilligen. Jetzt müssen Birken, Buchen und Nadelgeholze inmitten Adlerfarn und Brombeere weichen, um der Eiche einen Vorsprung zu verschaffen. Einen Vorsprung, der Jahrhunderte später grönländische Rotweinfassfabrikanten gewiss schätzen werden. Unser Spendenkonto wollen wir beibehalten. Also, wir schauen dann mal nach...

Pflege zugunsten der Eiche

 

19/06/18 | Hangmoore Nationalpark Hunsrück-Hochwald, Hunsrück, RP | 428 Meter ü. M.

Projektwoche 24. Bei Asterix würde Obelix nun sagen: "Die spinnen, die Bergwaldprojektfreiwilligen". Aber im Moor ist das römische Reich höchstens in der Torfschicht noch existent. Also egal. Bevor die Spundwände gesetzt werden, sind Widerstände zu beseitigen. Wurzeln, Mooreichen, Steine. Sonst wird das Bauwerk niemals dicht, wenn Sperriges zwischen Spundwand und Sohle steckt. Und was nicht sichbar ist, ist aber tastbar. Deshalb rein mit der Hand und dem Arm in den Moorkörper und nach Steinen getaucht. Gefunden. Beseitigt. Nächste Stelle. Immerhin sind keine Hinkelsteine im Moor.

Ich bekomm ihn gleich zu fassen, den nassen Moorfisch.

 

14/06/18 | Biosphärenreservat Rhön, Bayerische Rhön, BY | 834 Meter ü. M.

Projektwoche 21. "Lauterzeugende Pflanzen gibt es natürlich nicht. Nur der KLAPPERTOPF steht einsam auf weiter Flur. Die aufgeblasenen trockenhäutigen Kelche des Rachenblütlers umhüllen bei der Reife die losgelösten Samen, die klappernd an die Wandung schlagen, wenn der Wind die Pflanze schüttelt." [Carl, Helmut: Die Deutschen Pflanzen- und Tiernamen, Heidelberg, 1957] Genau dieser Klappertopf, nebst Arnika, Witwenblume, Wiesenbocksbart, Mauerpfeffer undundund sind die Blütenpflanzen, die durch die verdrängenden Lupinen in der Rhön irgendwann nicht mehr zu finden wären. Daher ziehen nun der Mann mit dem Sack und andere Freiwillige wieder ihre Kreise in der Rhön und buddeln die Lupinen aus. Damit es in der Rhön auch weiterhin schön klappert.

Der Mann mit dem Sack ist wieder unterwegs

 

13/06/18 | Hangmoore Nationalpark Hunsrück-Hochwald, Hunsrück, RP | 428 Meter ü. M.

Projektwoche 23. (Für Lurchi, dem ein Killerpilz zu Leibe rückt)
Im Nationalpark ist das Moor,
so gestört wie's Jahr zuvor.
Schurken wollten's trocken legen,
gruben Gräben statt's zu hegen.
Freiwillige komm'n, packen's an,
schließen die Gräben neben dem Tann.
Und im Moor tönt's lange noch,
Bergwaldprojekt lebe hoch.

Moorwiedervernässung - auch von oben

 

06/06/18 | Fichtelberg, Oberfranken, BY | 653 Meter ü. M.

Waldschulwoche 07. Ohhhhh, ein Rehkitz... Finderstolz! Doch wohin damit? Liegt das kleine Bambi doch mitten auf der Arbeitsstelle, quasi auf dem abzubauenden und eingewachsenen Zaun. Handschuhe. Vorsichtigste Bergung, kleine Umsetzung. Zackzack wird der Zaun entfernt, die Arbeitsstelle schnell geräumt. Rehkitz kommt zurück an den alten Platz. Doch wird Bambis Mutter wieder kommen? Oder wird es die Ricke nun verwaisen lassen? Riecht es zu sehr nach achter Klasse Waldorfschule? Fragen, welche die über dreissigköpfige Klassengemeinschaft umtreiben. Doch die Nachforschung ergibt: Ricke und Kitz haben sich wieder, fröhlich über den Forstweg hüpfend. Vor Glück. Glückliches Ende der Biologiestunde.

Uuuuuuuuuuh. Wie süüüüüß!

 

06/06/18 | Oberhof, Thüringer Wald, TH | 924 Meter ü. M.

Projektwoche 20. Es gibt Lieder ohne Worte und es gibt Stürme ohne Namen. Einer davon hat einige Fichten geworfen. Zu wenig aber, um mit dem Ereignis einen Frauen- oder Männernamen zu verbinden. Aber zu viel um sie einfach unbehandelt liegen zu lassen. Borkenkäfer! Bedrohungslage! Quasi Termingeschäft - nicht wie die auch zu leistenden Zaunreparaturen und die anstehende Jungwuchspflege. Also tanzen die Schäleisen der Freiwilligen und diese um die Stämme, um sie zu schälen. Ein Wettbewerb ist rasch entfacht: Wer schafft die längste Baumnudel [Rindenschlange]? Reichen 2,38 m schon für den Sieg? Nebenher werden in der Waldesschwüle ca. 382.000 Borkenkäferlarven schadlos gemacht, die ohne Rinde schnell vertrocknen. Erfolgreiche Borkenkäferausbreitungsprophylaxe, so der korrekte Namen dieser Arbeit.

Fichte - geworfen vom Sturm ohne Namen

 

06/06/18 | Premer Filz, ostallgäuangrenzender Pfaffenwinkel, BY | 749 Meter ü. M.

Projektwoche 19. Die Freiwilligen schwitzen im Moorwald, im Filz bei Steingaden. Es ist schwül und stickig. Muss und soll so sein, denn nur ein feuchtes Moor ist ein gutes Moor. Und es soll noch feuchter werden. Also wird kräftigst gezugsägt, um zu entfichten und zu entfichten. Damit der negative Verdunstungseinfluss der wasserziehenden Nadelbäume ausgeschaltet. Stehen bleiben Birke und Spirke. Nicht um des Reimes Willen. Aber Laubweichhölzer mag der Biber in seinem Lebensraum und die Spirke ist eine seltene Moorkiefernart. Und alle mögen's eben richtig feucht. Wobei - der Gewitterguß, der letzte Nacht drei Zelte der Freiwilligen absaufen ließ... Naja. Auch der Bäuchlings-Sturz des Projektleiters nach Fehltritt in den Moortümpel. Mmmmh. Besser also: Fast alle mögen's richtig feucht.

Hätte, Hätte, Fichtenkette

 

05/06/18 | Bamberger Rathaus Schloss Geyerswörth, Oberfranken, BY | 262 Meter ü. M.

Offizieller Anlass. Auszeichnung für das Bergwaldprojekt im Wettbewerb "Aktiv für Demokratie und Toleranz". Keine Blumen, aber Urkunde, 1.000 €-Scheck und stolzgeschwellte Oberkörper. 77 Initiativen und Projekte wurden für ihr "vorbildliches und nachahmenswertes zivilgesellschaftliches Engagement für Demokratie und Toleranz" ausgezeichnet. Das Bergwaldprojekt ist eine davon. Weil Flüchtlinge manchmal in den Projektwochen mitarbeiten. Das Selbstverständliche Tun sorgt für Ruhm, Ehre und Auszeichnung. So geht das und so sieht das auch: "Das Bündnis für Demokratie und Toleranz in der Bundeszentrale für politische Bildung". Danke.

Ausgezeichnet für Demokratie und Toleranz

 

30/05/18 | Fichtelberg, Oberfranken, BY | 653 Meter ü. M.

Waldschulwoche 06 - mit Schülerinnen und Schülern des Louise-Schröder-Gymnasiums München. Mit dem Hochsitz in der Hand wird nicht schnell gerannt! Auch sonst wird hier entschleunigt. Beste Voraussetzung: kein Strom, kein Internet, kein W-Lan, kein fließend Wasser. Die Erkenntnis der 16-18-Jährigen aber: es geht auch ohne. Und sogar ganz gut. Gut auch die Arbeit: Zum Wohl der kleinen Auerhuhnpopulation, zum Wohl der Jagdeinrichtungen, zum Wohl der Klassengemeinschaft. Und so geht die Zeit dann viel zu schnell vorbei. Die Rückkehr droht.

Mit dem Hochsitz unterm Arm

 

29/05/18 | Linderhof, Oberbayerische Alpen, BY | 939 Meter ü. M.

Projektwoche 18. Schwarze Töpfe, fremde Köpfe. Herrlichstes Panoramawetter. Die Freiwilligen im Hang. Mit dabei: fünf Geflüchtete vom Horn von Afrika und Nigeria. Beim Steigbau. Devise: Auffi geht's! Nachher bis auf 1800 m. Die Mittagssuppe dampft bei Fernblick auf die restschneebedeckte Alpenkette. Die Freiwilligen werfen sich in die beschattete Wiese. Leichte Erschöpfung. Steigbau heißt Höhe gewinnen ohne dass der Begeher dies später spürt. Die Freiwilligen spüren's aber fei scho... Jetzt aber erst einmal: Rasten und ruhen in entrückter Region. Wer möchte je wieder in einem Büro tätig sein?

Das Mittagsessen köchelt mit Fernblick

 

18/05/18 | 1. OG Veitshöchheimer Str. 1b, Würzburg, BY | 226 Meter ü. M.

Waldsalon Vol. VI. Gibt es ein richtiges Leben im falschen? Markus Wissen [mit Brille], einer der beiden Buchautoren der "Imperiale Lebensweise", besucht das Bergwaldprojektzentrum. Erklärt, erläutert, erinnert: Alltagspraktiken, Konsummuster, die Angst der SUV-Fahrerin vor den Wirkungen der Erderwärmung. Wir sind gefangen im Modell der räumlichen und zeitlichen Externalisierung der Kosten unserer imperialen Lebensweise. In der aktuellen Krisenzeit gibt es noch mehr Schurken, noch mehr SUV-Fahrerinnen und weiterhin grünwählende, wichtigtuerische Vielfliegerinnen. Autoritäre Gesinnungen versprechen gar die weitere Etablierung unseres Lebensmodells. Falsche Alternative: grüner Kapitalismus, die grüne Lüge der Moderne. Gute Alternative: Solidarische Lebensweise. Kein Lifestyleschnickschnack dank korrektem Konsum, sondern Empathie und Engagement. Richtiges tun und Richtiges fordern - am besten mit utopischem Überschuß. Kennen wir. Läuft.

Markus Wissen und Stephen Wehner

 

17/05/18 | Rostocker Heide, Ostseeküste, MV | 9 Meter ü. M.

Projektwoche 16. Zack! Wieder eine. In Berlin laufen die Proben der Berliner Karajan-Akademie für eine Uraufführung gegen das Insektensterben. Im Rostocker Wald wird geflucht: "Scheiß Mücken!" Die Freiwilligen sind genervt, die Insektchen machen zu schaffen. Wie die Fichten und Kiefern. Die gilt es abzuholzen, die Uferbereiche der Feuchtbiotope sind freizustellen. Und hier ist die Heimat der Insekten... Wie schön war die Arbeit der Vortage: Stieleichen pflanzen anstelle der Sitkafichte und so Bestandeslücken schließen. Müllsammeln an menschenleeren Ostseestränden. Ach Waldesruh und Meeresrauschen... und hier: aA! Wieder ein Mückenstich. Aber mit dem zufriedenen Blick auf das Geleistete und das Ahnen um das Schicksal der Insekten lässt sich alles ertragen.

Gruppe vor ausgeholztem Feuchtbiotop

 

16/05/18 | Nationalpark Kellerwald-Edersee, Nordhessen, HE | 509 Meter ü. M.

Projektwoche 17. Wupps, er ist wieder da. Abgebaut in Projektwoche 77 im vergangenen Herbst heißt es nun: auferstanden! Dank sorgfältigem Abbau geht der Aufbau fast so schnell wie mit Billy, the ikearegal [Schließlich sind auch erfahrene Studierende unter den Freiwilligen]. Motto der Arbeit: reduce - reuse - recycle. Als Wildfütterungshütte abgebaut, denn ohne Winterfütterung war der Holzkasten nun überflüssig, sollen nun hier die Nationalparkbesucher künftig mit Informationen gefüttert werden. Neuer Standort: außerhalb der Nationalparkkernzone. In der Infohütte gibt es dann die Historie der ehemaligen Hege und Pflege des Wildes und vielleicht auch einen Hinweis zur tatkräftigen Arbeit der Bergwaldprojektbauprojektwochen.

Gestern Wildfütterung, heute Infohüttchen

 

11/05/18 | Bayrischzell, Oberbayern, BY | 872 Meter ü. M.

Waldschulwoche 05. Im Steilhang: ein gutes Dutzend FÖJlerInnen in der Schutzwaldsanierung. Instabiler Fichtenbestand, dichtes Gras, keine Naturverjüngung, Sturmholz, sichtbarer Verbiss an der Weißtanne. Ein Schutzwald, der nicht mehr schützt weil stark aufgelockert. Unter dem Schutzwald immer noch: menschliche Siedlung, Straßen. Also wird gepflanzt: mehr als 1000 Weißtannen, Mehlbeeren, Kiefern. Es ist steil, es ist steinig, wenig Humus. Körperliche Anstrengung. Schutzwaldsanierung ist harte Arbeit. Die Bäume sollen wachsen, nicht verbissen werden. Ganz klar also: Wald vor Wild. Die Bejagung des hungrigen Gämsenbestandes: absolut notwendig. Die Arbeit der FÖJlerInnen soll nicht für die Gams sein.

Am und im Hang: FÖJler in der Schutzwaldsanierung

 

KEIMRUHE | Filmpause | Auf der Jagd. Wem gehört die Natur?

Idylle im Vorspann. Fuchs, Reh, Wildschwein. Deutschland dein Jagdwild. Doch im Film ist Schalenwild ein Waldschädling, sind die Jäger die Opfer. Der aufkommende Wolf verdirbt den Jagdpachtzins und sorgt für unruhiges Wild. Die Forst-Wirtschaft fordert immer höhere Abschusszahlen für schnelles Holz, die Schutzwaldsanierer - zugunsten darunter verlaufender Bundesstraßen - wollen angeblich gar die "Ausrottung der Gams" [So die Verschwörungstheorie einer bayerischen Wildbiologin mit Adelsunterstützung]. Die vielen ruhigen Bilder, dezente Off-Kommentare, die kluge Montage führen vor Augen: Deutschland ist ein einziger großer Wildpark. Alles ist reglementiert. Verlassen die Wildtiere ihr vom Menschen zugewiesenes Refugium, werden sie mit Abschuss bestraft. Es gibt keine Natur mehr in Deutschland, alles Wild(e) ist unter Kontrolle, wird beobachtet, betreut, gepflegt und verwertet. Insofern ist die Frage des Filmtitels rhetorischer Art. Was es nicht mehr gibt, kann auch niemanden gehören.

filmstill

 

09/05/18 | Rostocker Heide, Ostseeküste, MV | 9 Meter ü. M.

Projektwoche 15. Arbeit im Speicherwald, der Rostocker Heide. Einer der letzten großen zusammenhängenden Küstenwälder Deutschlands. Hier wird Natur gespeichert, unbewirtschaftete Naturwälder. Bäume, die alt werden dürfen, zerfallen können. Lebensphasen, die im Forst sonst nicht erreicht werden geben Lebensraum für Pflanzen und Tiere, welche sich auf die Zerfallsphasen von Wäldern bzw. Bäumen spezialisiert haben. Jenseits vom beindruckt-sein wird auch gearbeitet: überflüssige Schutzzäune abbauen, Eichen pflanzen und Plastikmüll einsammeIn. Ist ja schließlich Speicherwald und kein Plastikspeicher.

Praktikantin mit alter Buche

 

06/05/18 | Vor dem Siegestor, Schwabing, BY | 510 Meter ü. M.

Info-Tour, 423. Station. Im Visier der Bavaria mit ihrer Löwen-Quadriga ankert der Bergwaldprojektstand in der verkehrsberuhigten Leopoldstraße während des Streetlive-Festivals. Die Standbetreuerin: "Das ist wirklich toll, wir führen fast ununterbrochen super nette Gespräche. Die Leute sind unheimlich interessiert, toll! Aber vielleicht auch kein Wunder, beim Thema GREEN CITY." München also im Sturm erobert.

Infostand als Entschleunigungsmaßnahme

 

04/05/18 | Baden-Baden, Nordschwarzwald, BW | 754 Meter ü. M.

Projektwoche 12. Heute mit der Maus, mehr als 15 Freiwilligen, 1400 Weißtannen, schönes Wetter, steile Schwarzwaldhänge und Ballenpflanzen, durch die sich einfach die Maus durchfrisst. Das Loch ist auf dem Bild zu sehen. | 1 week, 4 ticks, 6 o’clock wake up calls, 17 new friends, 1400 planted trees, countless laughs while eating amazing food... thank you @bergwaldprojekt. Das war englisch und von einer der Teilnehmerinnen.

Ein Loch ist im Pflanzballen

 

03/05/18 | Nationalpark Harz, Harz, NI | 667 Meter ü. M.

Projektwoche 13. Jetzt wird genagelt. Wegen Friederike. Das winterliche Sturmtief hat nicht nur Fichten umgeblasen sondern auch viele Schutzzäune wirkungslos gemacht weil beschädigt. Also werden Hordengatterelemente zusammengenagelt. Zum späteren Verbauen. Gibt ja auch noch anderes zu tun. Rotbuchen pflanzen, Feldbiotope pflegen, Laubholz fördern und Filmdarsteller sein. Filmpremiere am 12. Juni. Vielleicht auch mit spektakulären Nagelszenen.

Hordengatternageln

 

27/04/18 | Baden-Baden, Nordschwarzwald, BW | 754 Meter ü. M.

Projektwoche 84. Da sind sie endlich. Die blühenden Landschaften. Die Freiwilligen sind zur richtigen Zeit am richtigen Platz. Hunderte von Streuobstbäumen prägen die Landschaft um die alte Kurstadt Baden-Baden. Das soll so bleiben. Also werden die alten Obstbäume gepflegt. Einzelschütze ausgebessert, Düngung für die neugepflanzten Bäume, Baumschnitte nachbessern, Baumschere ins Gras legen, Baumschere suchen. Dutzende Bäume werden so versorgt von den zwanzig Freiwilligen. Auf das die Landschaften wieder und wieder blühen.

Blick aufs Blütenmeer bei Baden-Baden

 

26/04/18 | Nationalpark Harz, Harz, NI | 667 Meter ü. M.

Waldschulwoche 02. POP im Harz ist PowerOfPeople. 32 Personen bringen was in die Erde. Bundesfreiwilligendienstleistende aus Brandenburg, gemischt mit Forstwirtauszubildenden und ihrem Ausbilder von Sachsenforst machen nicht nur in der Projektküche mächtig Umtrieb. Dank Sturm Friederike ist auch wieder gut Platz für den weiteren Fortschritt im Waldumbau. Ratzfatz wandern 3500 Rotbuchen in den Boden der Sturmflächen inmitten der Fichtenmonotonie. Da wird sich dann abends ordentlich auf die Schulter geklopft am Lagerfeuer. POP macht Laune.

Frederike sei Dank: Neue Pflanzflächen im Harz

 

25/04/18 | Jesberg, Nordhessen, HE | 247 Meter ü. M.

Waldschulwoche 03. Wer keinen Schutzzaun gegen Verbiss bauen will, muss Ahorne pflanzen, die für das Wild schon zu groß sind, um ihre Terminalknospe noch abknabbern zu lassen. Aber die bis zu 2-Meter-Ahorne brauchen dementsprechend auch Riesenlöcher! Riesenlöcher machen Riesenarbeit. Die 13 FÖJlerInnen und FSJlerInnen lassen sich also helfen. Erdbohrer kommen zum Einsatz. Bei 2500 zu pflanzenden Berg- und Spitzahorne eine spürbare Erleichterung. Und die Zeit drängt mal wieder. Die eingeschlagenen Pflanzen beginnen auszutreiben. Höchste Zeit zum Einpflanzen. Der Erdbohrer heult auf. 40cm-Loch, dann mit Spaten und Wiedehopf erweitern. Loch um Loch, Reihe um Reihe. Es geht voran.

Mit dem Erdbohrer gibt es Riesenlöcher

 

21/04/18 | Supermarktparkplatz, Würzburg, BY | 226 Meter ü. M.

Versorgungsfahrt. Einkaufen für die kommende Projektwochen. Anonyme Bewunderer bemerken den Bergwaldbus auf dem Parkplatz. Da wird was fällig: Sympathie- statt Strafzettel. DANKE anonyme Zettelschreiber. Zu-ga-be!

Anonyme Botschaft am Bergwaldbus

 

20/04/18 | Biosphärenreservat Rhön, Hessische Rhön, HE |  402 Meter ü. M.

Gruppenleiterschulung. Für die neuen Gruppenleiter, das Rückgrat der Projektwochen. Zwei Dutzend alte Hasen und junge Nasen. Lernen von- und miteinander. Quasi am lebenden Objekt. Also Orchideenwiese pflegen mit Mahd und Entbuschung. Außerdem hier: Wildkatzenland. Die wilden Mietzen bekommen potentielle Geburtshäuser. Damit sich die Samtpfoten in und auf der Rhön noch heimischer fühlen beschäftigt sich der künftige Kader mit Totholzhaufen. Geschickt geschichtet geben diese geeignete Geheckplätze ab. Unterschlupf ist gewährleistet. Die Bergwaldtruppe logiert derweil auf Burg Schwarzenfels.

Alte Hasen machen Pause.

 

19/04/18 | Werdohl, Sauerland, NW | 209 Meter ü. M.

Projektwoche 11. Die Temperaturen rasen Richtung 30°. Grünexplosion. Sonne satt. Die heiße Luft trocknet alles aus. Aber Achtung. Die Feinwurzeln der zu pflanzenden 1.800 Rotbuchen, Traubeneichen, Bergahorne und Vogelkirschen drohen auszutrocknen. Jetzt ist höchste Vorsicht geboten. Mit perfektem Pflanzeinschlag, Pflanzsäcken und Wassereimern wird das scheinbar Unmögliche möglich. Schnelligkeit und Pflanzgeschick werden die Rettung der Feinwurzeln. Die Freiwilligen haben es wieder einmal geschafft. Als Pausenbelohnung ein Sonnenbad für die Retter. Die Mittagsgurke wird zweckentfremdet. Kein Auge soll trocken bleiben.

Sonne lacht. Mittag macht die Gurkenfrau.

 

13/04/18 | Sächsische Schweiz, deutsch-tschechisches Grenzgebiet, SN | 321 Meter ü. M.

Projektwoche 09. Ein herrlicher Flecken. Mitten in der sächsischen Schweiz. Die braune Krankeit kursiert hier besonders stark. Jeder dritte Wahlberechtige ist schon befallen und hat Angst vor der Islamisierung des Osterzgebirges. Davon unbeeindruckt pflanzen 13 Freiwillige eifrig Rotbuchen und Weißtannen, bringen den Waldumbau voran. Im letzten Jahr gepflanzte Flächen werden frei geräumt von Sturmschäden und dem daher herumliegenden Gefichte. Da Top-Wandergegend gibt es hier bald einen Wandersteig, den Forststeig. Auch hier Sturmschäden. Wird freigeräumt. Dann kann gewandert werden. Zu Tafelbergen wie dem Pfaffenstein. Aussicht schafft Weitblick. Horizonterweiterung. Hoffentlich.

Ausblick Pfaffensteine

 

10/04/18 | Lechtal, Oberbayern, BY | 697 Meter ü. M.

Projektwoche 8. Im Auwald. Das Bergwaldprojekt ist hier Bärlauchprojekt. Alles ist mit Bärlauch bewachsen. Bis an den Horizont: Bärlauch. Bärlauch vor den Augen, Bärlauch in der Nase, Bärlauch unter den Füßen. Also klar: Bärlauch aus dem Auwald auf die Teller der bärlauchten ProjektteilnehmerInnen. Abends daher Bärlauchpesto und Bärlauchspinat. Schön, wenn der Arbeitsplatz verspeist wird. Daher wird Neues geplanzt. Eine (noch) seltene Baumart. Der Wildapfel (malus sylvestris). Am Ende: Viele neue autochthone Wildapfel-Bäume bei Lechsend im Lechtal im Bärlauchland.

Viele junge Wildapfelbäume

 

KEIMRUHE | Atempause | Am Meer

Bevor die Projektwochen in Paralelldimensionen durchstarten nochmals durchatmen. Mit dem Zug ist man schnell am Meer. Der ökologische Fußabdruck der Moderne wird hier rasch sichtbar. Unentwegt spuckt das Meer Plastik und anderen Zivilisationsmüll aus. Auf jahrmillionenaltes Gestein vergangener Zeitalter. Das meiste bleibt allerdings auf hoher See. Bildet dort Monsterteppiche. Willkommen im Plastikozän.

schuhsohlen am atlantikstrand

 

26/03/18 | Clausthal-Zellerfeld, Harz, NI | 567 Meter ü. M.

Projektwoche 06. Rückkehr an die Bergbau-Abraumhalde. Schon im letzten Jahr wurde die Halde mit Weidenstecklingen bestockt. Die Ergebnisse: sichtbar. Sie haben ausgetrieben. Der Erfolg wird nun fortgesetzt, die Halde ist groß. Die geschnittenen und gewässerten Weidenstecken in Unterarmstärke werden in die Halde gehämmert. Zuvor aber Löcher in den rutschenden Hang. Wie beim Steigbau. Ein Tritt, ein Loch, mit dem Locheisen vorgeformt. Danach wird noch abgesägt. Wie beim Eisberg muss deutlich mehr unter als über der Oberfläche sein. Kaum vorstellbar, dass damit der Hang begrünt und gegen Erosion geschützt werden soll. Loch um Loch geht es voran. 900 sollen es werden; so viele Weidenstecklinge lagern im Bach. Danach soll noch ein Mopsfledermausstollen entwässert werden. Noch so eine Bergbau-Altlast. 

Die Hüterin der Weidenstecklinge, die zum Wässern liegen

 

22/03/18 | Nennslingen, Altmühlfranken, BY | 445 Meter ü. M.

Projektwoche 05. Premierenpremiere 2018. Neuer Einsatzort, für 2018 der erste. Die örtliche Zeitung begrüßt „Öko-Idealisten bei tiefen Temperaturen mit hoher Motivation." Mit Schwung wird losgelegt. Was sind schon 5° minus. Wer pflanzen will, muss vorher entbuschen. Was vorher Fichtenacker war, dann Trockenwiese, soll nun zum klimastabilen Laubmischwald werden. Schlehe und Hollerbaum stehen dafür im Weg. Ein Scherenzaun als Wildschutzzaun wird auch gleich angebracht. Nun kann gepflanzt werden. Könnte. Die Winterwitterung bremst die Tatkraft der Freiwilligen. Wird also verschoben. Bei einer Premiere kann auch nicht gleich alles gelingen.

Alter Schwung an neuem Projektort

 

20/03/18 | Adamswalde, Mecklenburgische Seenplatte, BB | 59 Meter ü. M.

Projektwoche 04. Es ist wieder Winter im Nordosten. Also Vorsicht im Straßenverkehr und am Lenker. Gilt aber nicht im Wald. Im märkischen Sand ist der Göttinger Fahrradlenker an den Händen der Freiwilligen im Einsatz und erste Wahl. Die deutsche Erfindung dient als rückenfreundliche Pflanzbeschleunigungsgerätschaft. Die Alternative zur altbewährten Wiederhopfhaue. Ideal bei Klemmpflanzungen bei langen geraden Wurzeln. Und: wenn das Erdreich geschmeidig ist. So werden die Rotbuchen im Voranbau im Kiefernbestand quasi in den Boden getanzt. Vorwärts, rückwärts, Drehung, Schritt. Mit oder trotz Lenker. Mit oder trotz Schnee. 

Drei mit Lenker im Schnee

 

15/03/18 | Adamswalde, Mecklenburgische Seenplatte, BB | 59 Meter ü. M.

Projektwoche 03

Es war einmal ein Wildschutzzaun,
mit Zwischenraum, hindurchzuschaun.

Doch jedes Zaunes letzter Zweck
ist stets: er kann jetzt weg.

Denn sind die Bäumchen aus dem Äser,
braucht's für das Rehwild auch kein Präser.

BWP-Bus am Ende der Zentralperspektive

 

14/03/18 | Amrum, Nordfriesische Insel, SH | 6 Meter ü. M.

Projektwoche 02. Der Projektort wird volljährig. Entstanden in den Folgen des 1999er-Sturms Anatol ist das Projekt nun in der 18. Saison auf Amrum. Ausdauer. Nachhaltigkeit. Einsatzwille. Wird auch benötigt - nicht nur bei Gegenwind auf dem Rad zur Einsatzfläche. Unverdrossen wird immer noch und wieder gepflanzt. Bergahorn mit Rotbuche und LInde. Dieses Mal auf einer Bergkiefern-Rodungsfläche. Ja, auf Amrum wurde probehalber so ziemlich alles gepflanzt - was im nachhinein als Fehler zu sehen war. Nun kommt der neue Wald und die Pflege. Jahr um Jahr gegen die Konkurrenzvegetation aus Traubenkirschen und Brombeeren. Wahrscheinlich bis auch die letzten Pflanzflächen die halbe Volljährigkeit - in Futur II - erreicht haben werden.

Arbeitswege auf Amrum

 

07/03/18 | Amrum, Nordfriesische Insel, SH | 0,1 Meter ü. M.

Projektwoche 01
Das Eismeer, 2018
Kein Öl auf Leinwand
4711 x 0815

Amrum küste exkursion

 

24.02.2018 | Burg Lohra, Westliche Hainleite, HE | 437 Meter ü. M.

Bundesteamtreffen18. Eine Meute trifft sich heute in Deutschlands Kältemitte. Doch kein Wehklagen herrscht im Eiswind. "Wer auf der Jagd ist, heult nicht!" schreibt Wildbiloge und Wolfkoryphäe Ulrich Wotschikowsky den knapp 100 Haupt-, Neben- und Ehrenamtlichen ins Stammbuch. Sein Vortrag über Wölfe gibt aktuellen Input. Weiterer Input draussen im Naturerbewald Westliche Hainleite mit hunderten von Mikrohabitaten je Hektar. Daneben Bierbankbouldern, Rückblick, Ausblick und der Blick ins Stammbuch, denn Greenpeacerentner und Bergwaldprojekterfinder Wolfgang "Wolo" Lohbeck ist mit dabei. Erklärt, dass Positivprojekte nicht zur DNA von Greenpeace passten und passen und ist froh, dass sich Greenpeace längst vom Bergwaldprojekt getrennt hat. Kein Trennungsschmerz bei den Anwesenden. Jetzt ist heute. Heute ist gut, die 100 Projektwochen 2018 können starten.

Eine Meute trifft sich heute auf der Burg Lohra

 

09/02/18 | 1. OG Veitshöchheimer Str. 1b, Würzburg, BY | 226 Meter ü. M.

Waldsalon Vol. V. Die forstwissenschaftliche Avantgarde nimmt heute Platz. Auf der Bühne: Dr. Torsten Welle von der Naturwald-Akademie und Knut Sturm, Leiter des Stadtwaldes Lübeck, dem waldbaulichen Vorzeigebetrieb Deutschlands, mit dem sogar Greenpeace kuschelt. 85 Waldinteressierte wurden durch das Thema "Wilde Wälder" gelockt. Das Interesse ist aber größer: also weltweite Übertragung via Facebook-TV, weil "alte Thesen der Forstwissenschaft verlieren an Glaubwürdigkeit". Denn Wald kann mehr als nur Einnahmequelle für Landesforstbetriebe sein. Als Kohlenstoffspeicher und Biodiversitätshort genutzt kann Wald auch Wirtschaftfaktor sein, der Arbeitsplätze, Klima und Artenvielfalt sichert. Wer kann das schon bieten? Der Wald ist Avantgarde.

Waldsalon fünf mit Sturm und Welle

 

KEIMRUHE | Buchpause | Peter Krauss: Singt der Vogel, ruft er oder schlägt er? Handwörterbuch der Vogellaute

Mangels Wintergefühl singen schon die Amselmännchen. Singen? Oder pfeift der Amselmann? Gibt es richtige und falsche Tuwörter für die Lautäußerungen des Amselmännchens? Vögel begleiten uns Menschen seit Jahrhunderten. Kein Wunder, dass ihr unterschiedlicher Gesang Eingang in unseren Wortschatz gefunden hat. In Form unterschiedlichster Verben je Vogel. Weil jeder Vogel anders singt, gibt - oder besser: gab - es auch verschiedene Wörter für das Treiben der Vögel. "Bestandsaufnahme eines untergehenden Wortschatzes" heißt folgerichtig der Untertitel des Buches. Die Wörter verschwinden wie das Erkennen-können der Vögel an ihrem Gesang. Zynische Synchronizität, dass nun auch die Vögel selbst mehr und mehr aus unserer Landschaft verschwinden. Ein Buch als Dokument schwindender Fähigkeiten und dem Sprechen darüber. Ein schönes Buch, das Phantomschmerz erzeugt.

Wie klingt der Auerhahn?

 

26/01/18 | Springe, an der Deisterpforte, NI | 112 Meter ü. M.

Kochen für Fortgeschrittene 1.0. Ausgehend von der Vermutung auch das Private ist politisch sind auch Topfinhalte politische Statements. Weltverbesserung fängt im Kühlschrank an und geht durch den Magen. 15 Bergwaldprojektköchinnen sind zur ideologischen und praktischen Bewusstseinsausbildung im abgeschotteten Landheim. Auch Nicht-Bergwaldprojekt-Kochende sind dabei. Sind natürlich neidisch auf die Bergwaldkochbande. In den Projektküchen tummelte sich ja schon immer die moralisch überlegene Küchen-Avantgarde. Lichtjahre voraus. Fleisch? Nur frisch von der Wildbahn. Vegetarisch? Klar, viel klimaschonender. Kaffee? Natürlich fair gehandelt. Aber auch alte Hasen lernen noch was hinzu, sei es auch nur ganz falsche Hasen. Praktische Anwendung ab Projektwoche 01.

kochfortbildung

 

20/01/18 | Berlin, auf der Straße, Bundeshauptstadt | 101 Meter ü. M.

Protestwochenende 01. Wir haben es satt. Insektensterben, Vogelsterben, Glyphosatschmidt, Massentierhaltung, Gifteier, Schweinegrippe, Rinderwahnsinn, Geflügelpest, Grünkernplastik. Bevor die Ohnmacht regiert: Dampf ablassen, Marsch blasen, Krach schlagen, Aufbäumen. Wir haben es satt. Wir sind stark. Wir sind nicht allein. Wir sind 30 von 30 Tausend von 80 Millionen und stehen vor dem Wirtschaftsministerium. Kochtopfkonzert mit Jagdhornunterstützung. Wir kommen wieder.

Für bessere Lebensmittel - gegen Bullenschlachten.

 

13/01/18 | Iphofen, Unterfranken, BY | 250 Meter ü. M.

Waldschultraining. Mal wieder hier in Iphofen. 22 Teilnehmer sind heiß auf neue Methoden und Erfahrungsaustausch in der Waldschularbeit. Vieles ist theoretischer Natur und findet im Seminarraum statt. Drinnen. Draussen sein heißt hier also Pausenspaziergang machen. Und sich hierbei spielerisch von Spielfiguren helfen lassen, um kleine Geschichten zu erzählen. Gibt schöne Bilder. Schönere als bei Erklärungen zu Aufsichtspflichten und Diskussionen zu Umweltbildungsstrategien. Muss aber auch sein. Kein Drinnen ohne Draussen, keine Praxis ohne Theorie, keine Wirklichkeit ohne Abbild.

Spielerisch in der Natur unterwegs sein.

 

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