Schurwald

Am Fuße der Schwäbischen Alb

Vielfältige Geologie und Mosaik unterschiedlicher Lebensräume: Der Schurwald ist ein bis zu 515 Meter hoher bewaldeter Höhenzug des Schwäbischen Keuper-Lias-Landes, der sich östlich von Stuttgart erstreckt. Das Waldgebiet zieht sich vom Osten der Landeshauptstadt Stuttgart bis nach Bartholomä im Ostalbkreis. Geologisch ist der Schurwald eine durch rückschreitende Erosion zergliederte Schichtstufe, deren Gesteine aus Tonen, Mergeln und Sandsteinen bestehen. Diese vielfältige Geologie schafft ein Mosaik unterschiedlicher Standorte und Lebensräume. Der Forstbezirk Schurwald von ForstBW bewirtschaftet und pflegt rund 14.500 Hektar Staatswald, wobei 76 % der Waldflächen im Verdichtungsraum liegen und damit ein sehr beliebtes Naherholungsgebiet für die Menschen im Großraum Stuttgart darstellen.

Neben seiner Funktion als Erholungswald beherbergt der Schurwald auch bedeutende Schutzgebiete. Teile des Waldgebiets sind als FFH-Gebiet „Schurwald“ ausgewiesen, was die besondere naturschutzfachliche Bedeutung der Region unterstreicht. Die Wälder zeichnen sich durch eine Vielfalt an Lebensräumen aus – von geschlossenen Buchenwäldern über lichte Waldstrukturen bis hin zu strukturreichen Waldrändern und kleinflächigen Offenlandbiotopen.

Arbeiten

Für die Artenvielfalt: In enger Kooperation mit ForstBW führt das Bergwaldprojekt e.V. mit Freiwilligen im Schurwald verschiedene Maßnahmen durch, die dem Schutz und der Förderung bedrohter Arten und ihrer Lebensräume dienen. Folgende Arbeiten, die alle dem Erhalt der Biodiversität in diesem wertvollen Waldgebiet dienen, sind unter anderem Teil unserer Projektwoche:

Sicherung von Sandbrüchen und Trockenstandorten
Im Schurwald finden sich vereinzelt Sandbrüche und andere offene, trockenwarme Standorte, die wichtige Lebensräume für wärmeliebende Insekten und Reptilien darstellen. Diese Sonderbiotope drohen durch natürliche Sukzession zu verbuschen und damit ihre Funktion als Lebensraum für spezialisierte Arten zu verlieren. Die Bergwaldprojekt-Freiwilligen helfen bei der Offenhaltung dieser wertvollen Standorte durch gezielte Entbuschungsmaßnahmen. Mit Handsägen und Astscheren werden aufkommende Gehölze entfernt, um die offenen, besonnten Strukturen zu erhalten, die viele seltene Arten zum Überleben benötigen.

Förderung des Bergkronwicken-Widderchens
Ein besonderer Schwerpunkt unserer Arbeit im Schurwald liegt auf der Förderung des Bergkronwicken-Widderchens (Zygaena fausta), auch Glückswidderchen genannt. Dieser auffällige rot-schwarze Schmetterling ist deutschlandweit stark gefährdet und in Baden-Württemberg nur noch an wenigen Stellen auf der Schwäbischen Alb zu finden. Das Bergkronwicken-Widderchen gehört zu den sogenannten Lichtwaldarten. Das sind Arten, die auf locker bebuschte Magerwiesen mit Felsen und Steinen sowie auf trockenwarme, sonnige Waldränder angewiesen sind. Die Wälder sind in den vergangenen Jahrzehnten durch veränderte Nutzung strukturreicher geworden, vielerorts aber auch dichter und dunkler, sodass spezialisierte Arten wie das Bergkronwicken-Widderchen kaum noch geeigneten Lebensraum finden. Um dies zu ändern, schaffen wir durch gezielte Freistellungsarbeiten lichte Strukturen. Mit Handsägen und Astscheren entfernen wir beschattende Gehölze an ausgewählten Standorten, damit sich die Bergkronwicke, die Raupennahrungspflanze der Widderchen, besser ausbreiten kann.
Diese lichten Waldstrukturen mit strukturreichen Waldsäumen, besonderem Mikroklima und hoher Gehölzvielfalt sind Lebensraum vieler weiterer gefährdeter Arten. Von den Maßnahmen profitieren neben den Widderchen auch zahlreiche andere Schmetterlinge, Wildbienen und weitere Insekten.

In Zeiten des Artensterbens ist die gezielte Unterstützung solcher Schutzmaßnahmen von besonderer Bedeutung. Der Schurwald trägt mit seinen wertvollen Lebensräumen eine besondere Verantwortung für seltene Arten und das Bergwaldprojekt mit den Freiwilligen hilft, diese Verantwortung gemeinsam mit ForstBW wahrzunehmen.

Aufgemerkt: Die angegebenen Arbeiten können sich auf Grund des Wetters und anderen Ereignissen kurzfristig ändern - vielen Dank für euer Verständnis.

Lage

Die angegebenen Koordinaten dienen der Orientierung und zeigen nicht die exakten Arbeitsflächen.

Projektpartner: Forst BW

Die Anstalt öffentlichen Rechts Forst Baden-Württemberg (ForstBW) bewirtschaftet 324.000 ha Staatswald, die auf 21 Forstbezirke aufgeteilt sind. Das Bundesland selbst zählt mit rund 14.000 km² Wald zu den waldreichsten Bundesländern in Deutschland und der Wald dehnt sich aus, jährlich kommen 2 km² Waldfläche hinzu. Aufgrund der unterschiedlichen geologischen und klimatischen Gegebenheiten wird Baden-Württemberg in 7 Wuchsgebiete aufgeteilt: Im Norden liegt das Gebiet des Odenwalds, der durch Buntsandstein geprägt ist. Südlich davon liegt das Neckarland, das sich in die offenen Gäulandschaften und die sich deutlich hiervon abhebenden Berge und Wälder des Keuperberglandes gliedert. Im Gäu bilden Eichen und Buchen die Wälder, auf trockenen Kuppen wächst auch die Eiche. Dagegen ist das Keuperbergland deutlich nadelholzgeprägter. Ganz im Westen Baden-Württembergs liegt das oberrheinische Tiefland, das genau wie sein Name stark durch den Rhein geprägt wurde. Hier findet man laubreiche Auwälder, gefolgt von den Kiefernbeständen der aus Kies und Sand bestehenden Niederterassen. Daran schließt sich das Rheinhügelland an, an dessen warmen Hängen Eichen und Buchen wachsen. Diese Landschaft geht in das vierte Wuchsgebiet, den Schwarzwald, über. Ursprünglich war dieser von Buchen und Tannen geprägt, aufgrund von menschlichen Eingriffen und menschlicher Nutzung wurden diese Baumarten jedoch von Fichten und Kiefern ersetzt. Das kleinste Wuchsgebiet, das Baar-Wutach, liegt im östlichen Teil des Schwarzwaldes und hebt sich durch tiefe Wintertemperaturen, extreme Früh- und Spätfröste von seinem Nachbarn ab. An den Schwarzwald grenzt auch die Schwäbische Alb. Diese ist in den niederschlagsreichen, kalkreichen Nordwestlagen vorwiegend durch Buchenwälder geprägt, auf den trockeneren und wärmeren Südlagen kommen Eichen- und in den wasserreichen Schluchten Ahorn- und Eschenwälder vor. Doch auch hier hat der Mensch den Laubbaum in der Vergangenheit zugunsten des schnell und gerade wachsenden Nadelholzes verdrängt. Der gleiche Prozess fand auch im südwestdeutschen Alpenvorland statt, wo heute die Pflanzung und Förderung von Buchen und Tannen zu stabilen Mischwäldern führen soll.

Forstbezirk Schurwald

Der Forstbezirk Schurwald ist einer von 21 Forstbezirken der Anstalt öffentlichen Rechts Forst Baden-Württemberg (ForstBW) und liegt im Herzen Baden-Württembergs östlich von Stuttgart. 
Mit über 60 Mitarbeitenden bewirtschaftet und pflegt der Forstbezirk Schurwald rund 14.500 Hektar Staatswald des Landes Baden-Württemberg. Die Forstbezirksflächen liegen mit ihrer Vielfalt im Bereich von 94 Städten und Gemeinden in Baden-Württemberg, wobei die Wälder vor allem im Naturraum Schurwald sowie im Albvorland und auf der Schwäbischen Alb verteilt sind.

Eine Besonderheit des Forstbezirks Schurwald ist, dass 76 Prozent der Waldflächen im Verdichtungsraum liegen. Das Waldgebiet ist daher ein sehr beliebtes Naherholungsgebiet für die Menschen im Großraum Stuttgart und erfüllt so eine zentrale Rolle für die Region. Die Wälder sind zudem gekennzeichnet durch einen überproportional hohen Anteil an Schutzwäldern verschiedener Kategorien.

Zu den Kernaufgaben des Forstbezirks gehören die nachhaltige Bewirtschaftung, Pflege und Entwicklung des Staatswaldes unter Beachtung der Grundsätze einer multifunktionalen und naturnahen Waldbewirtschaftung. ForstBW setzt sich dabei zum Ziel, ökologisch vorbildlich, sozial ausgewogen und ökonomisch erfolgreich zu arbeiten. Im Sinne des Waldes und der Menschen bildet das Prinzip der Nachhaltigkeit die Grundlage der Tätigkeit.

Der Bergwaldprojekt e.V. arbeitet seit 2026 mit dem Forstbezirk Schurwald zusammen, dieses Jahr in einer Projektwoche.

Zur Webseite des Forstbezirks Schurwald