Aktuelles
Offener Brief an die Bundeskanzlerin
lichtpunkte1

Offener Brief an die Bundeskanzlerin

Würzburg, den 14. September 2017

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

vor einer Woche ist das Gutachten von Agora Energiewende erschienen, wonach die Klimaschutzlücke in Deutschland deutlich größer ist als bislang gedacht. Offenbar werden wir bis 2020 statt der angestrebten Emissionsminderung von 40 Prozent verglichen mit 1990 nicht mehr als 31 Prozent erreichen.

Dies erfüllt uns mit großer Sorge. Die Stürme und Starkregenfälle in den USA oder der Bergrutsch im Schweizer Bergell haben gerade erst deutlich gezeigt, welchen tragischen Folgen wir schon heute aufgrund der Klimaerwärmung ausgesetzt sind. In Paris haben Sie sich dafür eingesetzt, die Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad zu begrenzen und sich zu den deutschen Reduktionszielen verpflichtet. Die bisherigen Maßnahmen reichen allerdings bei weitem nicht aus, und es ist dringend an der Zeit, klimaschädliche Technologie und Infrastruktur entschieden abzubauen.

Vor diesem Hintergrund ist es unverständlich, warum die Bundesregierung weiterhin Steuermittel einsetzt, um mit Bürgschaften oder Krediten Unternehmen in Deutschland zu unterstützen, die bereits eine ökologische und ökonomische Bankrotterklärung abgegeben haben. Vernünftige Marktbereinigung sollte nicht mithilfe von staatlicher Intervention hinausgezögert werden. Die zugesagten finanziellen Mittel für Air Berlin wären sinnvoller in Mobilitätskonzepte investiert, die zukunftsfähig sind. Für den innerdeutschen Fernverkehr ist dies die Schiene, weder das Flugzeug noch die Autobahn. Auch eine großzügige Unterstützung eines umfangreichen Sozial- und Umschulungsplans für die Mitarbeiter von Air Berlin ist langfristig volkswirtschaftlich günstiger als jeder weitere Euro, der dazu eingesetzt wird, einen innerdeutschen Billigflugbetrieb aufrechtzuerhalten.

Bitte geben Sie das Wohl der Menschen heutiger und zukünftiger Generationen nicht für die kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen einiger weniger auf.

Mit freundlichen Grüßen

Bergwaldprojekt e.V.