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Die Hitze. Der Wald. Und Wir.
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Das Wetter wird sich bald ändern, aber bisher kann man – mal wieder – vom trockensten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881 sprechen. Seit April hat es in einigen Gebieten Deutschlands nicht mehr nennenswert geregnet. Das Getreide wurde fast überall vorzeitig geerntet, der Mais verdorrt oder wird künstlich bewässert. Immer wieder entstehen neue stabile Hochdrucksituationen (sog. Omegawetterlagen) mit wenig Wetteränderung. Es ist heiß und trocken.

Und der Wald? Leidet.

Extrem heiße Wetterlagen gab es schon in früherer Zeit. Die Häufung dieser Ereignisse und die zunehmenden Extremtemperaturen über lange Zeit machen aber deutlich, dass wir uns mitten im Klimawandel befinden.
Die lang anhaltende Hitze macht den Wäldern zu schaffen. Der Humus und der Oberboden trocknen nach und nach aus. Viele frisch gepflanzte Bäume aber auch Naturverjüngung verdorrt, je nach Standort. Nicht nur kleine Bäume leiden. Große erleiden Sonnenbrand und langfristige Schäden an den Feinwurzeln. Dies wird wiederum pathogene Insekten wie Borken- und Splintkäfer bevorteilen, da diese in den nächsten Jahren leichtes Spiel mit den vorgeschwächten Bäumen haben werden. Zusätzlich sind die Wälder direkt von leicht entstehenden Feuern gefährdet. Achtlos weggeworfene Zigarettenstummel, aber auch Blitzschläge lassen gefährliche Brände in den teilweise staubtrockenen Wäldern entstehen. Fichten- und Kiefernbestände sind am stärksten gefährdet. Der naturnahe Umbau der Wälder kommt so ins Stocken. Es besteht kein Zweifel mehr daran, dass unser aller Lebensweise erheblichen Anteil an dieser Situation hat.

Wir sind auf dem Weg in die „Heißzeit“. Denn die globale Erwärmung auf lange Sicht bei 1,5°C bis 2°C zu stoppen, könnte schwieriger sein als bisher angenommen.

Ein internationales Team von WissenschaftlerInnen hat in einer neuen Studie im Fachjournal „Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)“ vor diesem Szenario gewarnt. Die AutorInnen zeigen auf, dass zehn natürliche Rückkopplungsprozesse, von denen einige mit den sogenannten Kippelementen im Erdsystem verknüpft sind, aufgrund des Überschreitens kritischer Schwellen in fundamental andersartige Zustände versetzt werden könnten. Diese Rückkopplungen könnten z. B. Kohlenstoffspeicher in Kohlenstoffquellen verwandeln. Tauender Permafrost, der Verlust von Methanhydraten vom Meeresboden, das Schrumpfen der großen Eisschilde (Arktis und Antarktis) und aufgrund von Erwärmung schwindende Regen- und Borealwälder wären nur einige dieser gefährlichen Prozesse.

Es braucht also eine entschlossene Minderung aller Kohlendioxid- und anderer Treibhausgasemissionen. Ein ökologischeres Management der Land- und Forstwirtschaft und die Erhaltung der Biologischen Vielfalt sind genauso nötig, wie die Notwendigkeit, dass alle diese Maßnahmen auch von grundlegenden gesellschaftlichen Veränderungen gestützt werden. JedeR von uns trägt dazu bei.